5 Fragen an Dr. Wolfram Stacklies zu künstlicher Intelligenz

Next Big Think Juli 13, 2020

In der ersten Ausgabe unserer Interview-Serie "5 Fragen an..." vermittelt uns Dr. Wolfram Stacklies spannende Einblicke in sein Leben und in das Thema künstliche Intelligenz (KI). Dr. Stacklies ist Gründer und Chefentwickler von Rentablo, einer Online-Plattform zur privaten Vermögensverwaltung und dem Aufbau von Vermögen. Er ist ein ausgewiesener IT-Experte und verantwortlich für die technische Infrastruktur sowie den Bereich künstliche Intelligenz. Dr. Stacklies sammelte praktische Erfahrungen in der Analyse großer Datenmengen als IT-Spezialist bei der BASF Plant Science und während seiner Promotion am Max-Planck-Institut für Computational Biology in Shanghai, China.

Was macht Ihre Faszination für KI aus?

Seit meiner Kindheit beschäftigen mich zwei Fragen. Wie funktioniert das Leben? Und warum ist es nicht möglich, eine Maschine zu bauen, die das Leben perfekt imitiert?

Aus der ersten Frage resultiert meine Faszination für die Biologie (ich habe  einen PhD in Bioinformatik). Fängt man jedoch an, biologische Prozesse zu studieren, so ertrinkt man sehr schnell in der Flut gesammelter Daten. Es ist einfach sehr schwer zu unterscheiden, ob ein bestimmtes Gen aktiv wird, weil der Patient krank ist - oder weil er einfach nur müde ist. Das heißt ohne statistische Verfahren zur Datenauswertung - oder neudeutsch KI - geht es hier nicht weiter.

Die zweite Frage - können wir eine lebendige Maschine bauen - ist noch unbeantwortet. Meiner Meinung nach gibt keine physikalische Grenze, die dies verhindern würde, auch wenn es für viele Menschen schwer zu akzeptieren ist. Aus diesem Grund verfolge ich die aktuellen Fortschritte, maßgeblich getrieben durch Alphabet, natürlich mit viel Interesse.

Was möchten Sie mit KI bewegen?

Meine zweite große Leidenschaft sind die Finanzmärkte. Ähnlich wie die Abläufe in unserem Körper stellen auch die komplexen Zusammenhänge an den Märkten für viele Mitmenschen ein Buch mit sieben Siegeln dar. Dabei beeinflussen gerade die Zinspolitik der EZB und das Wachstum der Geldmenge unseren Wohlstand nachhaltig. Sie lassen das auf Bankkonten gebunkerte Vermögen der Mittelschicht schmelzen wie Eis in der Sonne. Einziger Ausweg ist, langfristig über die Finanzmärkte Vermögen aufzubauen.

Mit unserer Firma Rentablo möchten wir Finanzen einfach zugänglich machen. Die Leute sollen selbst entscheiden können. Wenn Sie ein Auto kaufen, gehen Sie auch nicht zum Autohändler und sagen “geben Sie mir das beste Fahrzeug”. Beim Bankberater tun wir aber genau das.

Für uns ist KI das bevorzugte Werkzeug, um Finanzen verständlich darzustellen und um Handlungsempfehlungen zu geben. Dadurch, dass wir jedem Privatanleger einen digitalen Anlageberater zur Seite stellen, machen wir unsere Nutzer endlich unabhängig von Banken und Provisionen. Das zahlt sich dann direkt in mehr Wohlstand aus.

Was macht Ihr Produkt aus?

Bei uns dreht sich alles um das Thema Vermögensaufbau. Im Prinzip ist es ganz einfach. Die meisten von uns möchten mit 60 in Rente gehen, und dann genug Geld für einen entspannten Ruhestand haben. Habe ich den Betrag festgelegt, dann muss ich nur noch jedes Jahr X Euro zur Seite legen und alles ist in Butter - so oder so ähnlich erzählt es Ihnen bestimmt der Versicherungsmakler.

Dumm nur, dass das nicht stimmt. Es kommt immer etwas dazwischen, sei es ein Aktien-Crash, die Familie oder der Nullzins. Rentablo nimmt Sie daher an die Hand, lässt Sie Ihre Vermögensziele definieren und prüft ständig, ob Sie “on track” sind. Unterwegs lernen Sie mit Hilfe unseres Finanzmanagers, wie Sie ein guter Investor werden. Hierbei kommt an vielen Stellen KI zum Einsatz. Rentablo “lernt”, wie Sie Ihr Geld ausgeben, zeigt Ihnen, ob Rendite und Risiko zusammenpassen oder ob Ihre Versicherung mal wieder klammheimlich die Beiträge erhöht hat.

Wie kann der Mittelstand KI effektiv für sich nutzen?

Kurzfristig sehe ich für den deutschen Mittelstand das größte Potential in der Automatisierung häufig wiederkehrender Abläufe. Aktuell stehen hier die Themen Buchhaltung, Kundensupport und Compliance stark im Fokus. Auch der Bereich Logistik profitiert stark von den neuen Möglichkeiten. Allerdings fehlt oft noch das Verständnis, dass es nicht ausreicht, Probleme nur innerhalb des Unternehmens zu lösen. Die Unternehmen müssen parallel ihre Systeme öffnen, so dass Daten entlang der Wertschöpfungskette fließen können. Zum einen erhalten alle beteiligten Parteien so mehr Daten um damit laufend ihre Prozesse zu optimieren. Zum anderen wird so endlich die leidige “Papierschnittstelle” eliminiert.

Nehmen wir ein Beispiel von Rentablo. Wir bieten Ihnen die Möglichkeit, Ihre Fonds-Provisionen zu sparen. Alles was Sie tun müssen, ist Ihrer Bank mitzuteilen, dass Sie nun von Rentablo betreut werden. Theoretisch sind alle Möglichkeiten vorhanden, diese Mitteilung elektronisch und sicher zu übermitteln.

Leider haben die Banken Ihre Systeme nicht geöffnet. Das heißt der entsprechende Antrag muss doch wieder postalisch übersandt werden, obwohl die Daten auf unserer Seite digital vorliegen. In solch einem Fall hilft es dann wenig, wenn die Bank KI einsetzt um die Formulare automatisch zu erkennen.

Wie wird der Einfluss von KI in 10 Jahren aussehen?

Der Einzug von KI in alle Lebensbereiche wird sich fortsetzen, beruflich wie privat. So wie wir heute selbstverständlich Google “fragen”, werden wir in 10 Jahren selbstfahrende Taxis und selbstplanende Kalender nutzen. Viele Aufgaben wie die Steuererklärung oder die Finanzplanung werden dann nicht mehr von Experten, sondern von intelligenten Programmen erledigt.

Für die Wirtschaft werden sich ähnliche Kostensenkungen ergeben, wie seinerzeit durch die Automatisierung der Produktion. Für die Gesellschaft bedeutet das mehr Wohlstand bei gleichbleibendem Aufwand. Allerdings: Marktteilnehmer, die die Optimierungspotentiale nicht rechtzeitig erkennen werden aufgrund ihrer ungünstigen Kostenstruktur zügig vom Markt verschwinden.


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Gregor Puchalla

Gregor Puchalla ist Gründer und Geschäftsführer von fintechcube. Zukunftstrends sind seine Leidenschaft. Gregor hat 15 Jahre Erfahrung auf operativer und strategischer Ebene im Bereich Digitalisierung