So geht’s: 5 Tipps zu Augmented und Virtual Reality für Entscheider und Macher

Next Big Think Aug. 24, 2020

Es ist Mittwochmorgen. Mit dem Handy in der rechten und dem Coffee-To-Go-Becher in der linken Hand kommen Sie durch die Bürotür und stehen im Office. Mit einem freundlichen „Guten Morgen“ begrüßen Sie Ihre Mitarbeiter. Niemand antwortet Ihnen. Sie treten in den ersten Büroraum und sind sprachlos: da sitzen vier Mitarbeiter, alle mit Kopfhörern und klobigen VR-Brillen und gestikulieren wild in der Luft. Was ist denn da los – arbeitet hier überhaupt noch jemand oder sind alle in irgendeinem Spiel vertieft?

Viele mögen Virtual Reality (VR) und Augmented Reality (AR) noch immer vor allem mit dem Gaming-Bereich in Verbindung bringen. Doch schon lange haben es die Technologien aus dem Nischenbereich geschafft und finden auch im Arbeitsalltag Anwendung. Und helfen, Prozesse in Unternehmen effizienter und innovativer zu gestalten. Auch in Ihrem?

Anschaffungskosten sind durch effizientere Prozesse schnell kompensiert

Umfassende AR- und VR-Systeme sind nicht gerade günstig. Doch bei intelligenter Integration in bestehende Strukturen lohnen sich die Anschaffungskosten für Unternehmen schnell. Denn Augmented und Virtual Reality können viele Prozesse schneller, effizienter und dadurch vor allem kostengünstiger gestalten.  Paradebeispiel ist das Produktdesign: Von der ersten Skizze, über das Konzeptmodell bis hin zum Prototyp findet alles in der virtuellen Welt statt. Der gesamte Designprozess wird dadurch nicht nur beschleunigt, sondern es fallen auch weniger Materialkosten für reale Entwürfe und Prototypen an.

Mittels AR- und VR-Anwendungen sind vollkommen neue Möglichkeiten in der Aus- und Weiterbildung von Mitarbeitern möglich. Komplizierte Abläufe, beispielsweise Wartungsarbeiten an einer komplexen oder schwer zugänglichen Maschine, können an einem virtuellen Modell geübt werden. Die Einarbeitung von neuen Mitarbeitern wird so erleichtert, erfahrene Angestellte können beispielsweise komplexe Aufgaben, die aber nur selten anfallen, regelmäßig trainieren.

Insgesamt gestaltet sich die Zusammenarbeit von unterschiedlichen Standorten aus einfacher, was gerade in den Zeiten wie Corona Gold wert ist. Servicekräfte können beispielsweise Mechaniker bei Wartungsarbeiten aus der Ferne unterstützten, indem sie Anweisungen direkt in ihr Sichtfeld einblenden lassen. Aber auch das Homeoffice profitiert von AR und VR: Meetings und Geschäftstreffen können im virtuellen Raum abgehalten werden, als wäre man wirklich im selben Raum.

Unternehmensattraktivität durch AR und VR stärken

Doch es geht nicht nur um Effizienzsteigerungen - durch den Einsatz von Augmented und Virtual Reality können Unternehmen ihre Arbeitgeberattraktivität gezielt stärken. Diese wird durch den „war for talents“ auf dem Arbeitsmarkt immer wichtiger. Durch AR- und VR-Anwendungen sind neue und innovative Arbeitsformen möglich, mit denen Sie gerade junge Arbeitskräfte für das eigene Unternehmen begeistern können. Ein virtuelles Meeting im Weltall oder ein Brainstorming mit virtuellen Elementen im Raum? Mit der Nutzung von moderner Technologie können sich Unternehmen als innovativer und attraktiver Player im Markt positionieren.

Bereits im Bewerbungsprozess können sich Unternehmen gegenüber möglichen neuen Arbeitnehmern entsprechend präsentieren. Wieso nicht ein VR-gestütztes Assessment-Center? Den Bewerbern wird einerseits gezeigt, dass das mit der Innovation nicht nur eine Phrase, sondern durchaus gelebte Praxis ist. Anderseits können Unternehmen gleich den Umgang der Bewerber mit neuen Technologien testen.

Aber nicht nur bei Mitarbeitern kommen Augmented und Virtual Reality gut an. Auch im Marketing werden AR und VR immer wichtiger. Bei Autohändlern können Kunden bereits heute mit aufgesetzter VR-Brille das neue Auto in Wunschfarbe und mit Wunschausstattung virtuell von allen Seiten betrachten. Mit der Ikea-App kann man Möbel mittels AR über den Smartphone-Bildschirm in realer Größe in der Wohnung platzieren.  Beim Online-Optiker „Mister Spex“ ist es möglich, das neue Brillenmodell virtuell probe zu tragen.

Durch die virtuelle Produktpräsentation kann nicht nur teure Fläche für die reale Präsentation eingespart werden, beispielsweise in Ladenlokalen oder auf Messen. Vielmehr präsentiert man sich auch gegenüber dem Kunden als innovatives Unternehmen. AR- und VR-Gadgets können aktiv beworben und so neue, insbesondere auch junge Kunden gewonnen werden.

Augmented und Virtual Reality intelligent in bestehende Strukturen einbinden

Wichtig ist aber vor allem eins: Der Einsatz von AR- und VR-Anwendungen ist kein Selbstzweck. Die Technologien müssen intelligent in bestehende Strukturen und Prozesse integriert werden. Augmented und Virtual Reality verändern nicht das gesamte Geschäftsmodell eines Unternehmens. Sie helfen aber, dieses innovativer und effektiver zu gestalten.

Insbesondere die Vernetzung und der Austausch mit anderen Technologien ist zentral. Gerade im Zusammenhang mit KI-basierten Prozessen entstehen in Unternehmen enorme Mengen an Daten. Warum diese Daten nicht intelligent mittels AR und VR aufbereiten? Der Zustand von Produktionsanlagen wird den Mitarbeitern nicht mehr in langen Excel-Listen zur Verfügung gestellt, sondern beim Gang durch die Fabrikhalle in einer virtuellen Infobox direkt bei der entsprechenden Maschine angezeigt. Die dank Predictive Maintenance von der künstlichen Intelligenz automatisiert erstellen Wartungstickets werden dem zuständigen Mitarbeiter nicht einfach nur als Nachricht übermittelt – mit aufgesetzter AR-Brille kann der Mechaniker zur Maschine navigiert werden, das betroffene Bestandteil wird hervorgehoben und der Mitarbeiter Schritt für Schritt durch den gesamten Prozess geleitet.

Es geht nicht darum, jedes Meeting möglichst virtuell abzuhalten, das Flipchart zu verbannen oder Mechaniker nicht mehr an der realen Maschine auszubilden. AR- und VR-Anwendungen sollten Abläufe da intelligent ergänzen, wo es sinnvoll ist. Nicht mehr und nicht weniger.

Unsere 5 Tipps für Entscheider und Macher:

  1. Umfassende AR- und VR-Systeme sind nicht gerade günstig. Sie sind aber nicht nur eine nette Spielerei, sondern können viele Prozesse zeit- und kostengünstiger gestalten. Betrachten Sie daher AR und VR nicht nur als Kosten-Faktor. Prüfen Sie regelmäßig, ob durch eine Integration Prozesse in Ihrem Unternehmen effizienter gestaltet werden können.
  2. AR- und VR-Anwendungen gestalten die Zusammenarbeit von verschiedenen Standorten aus einfacher. Insbesondere als Unternehmen mit mehreren Standorten sollten Sie darum die Integration von AR und VR ernsthaft in Erwägung ziehen. Für effektiveres Co-Working sind bereits einfachere Systeme ausreichend, die relativ kostengünstig sind.
  3. Auf dem Arbeitsmarkt von heute wird die Arbeitgeberattraktivität immer wichtiger. Gerade junge Arbeitnehmer legen viel Wert auf die Arbeitgebermarke. Durch AR- und VR-gestützte Prozesse können Sie sich als innovatives Unternehmen positionieren.
  4. Augmented und Virtual Reality bieten einerseits neue Möglichkeiten für den Austausch mit Ihren Kunden. Vor allem aber stärkt es Ihre Marke als innovatives Unternehmen. Nutzen Sie dies als Wettbewerbsvorteil und vermarkten Sie Ihre Anwendungen auch nach außen.
  5. Denken Sie AR und VR im Gesamtkontext Ihres Unternehmens und nicht nur als isolierte Technologie. Erarbeiten Sie eine Strategie, wie AR und VR intelligent in bestehende Strukturen eingefügt werden können. Nur so gelingt es, diese auch effizienter zu gestalten.

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Dominic Hauser

Dominic Hauser ist Redakteur bei fintechcube. Davor war er in Bern als politischer Redakteur tätig und beschäftigte sich nach seinem Umzug nach Berlin mit der Digitalisierung des Public Sectors.