AR Made in Germany- Im Porträt: RealNote Gründer Sebastian Weller

Next Big Think Nov. 20, 2020

Ob Kritzeleien auf Schulbänken oder Toilettentüren, Graffitis auf Zügen und Hausfassenden, Schnitzerei an Bäumen oder das Liebesbekundungsschloss an Brücken: Schon lange haben Menschen das Bedürfnis, ein kleines Stück von sich an besonderen Orten zu hinterlassen. Genau daran knüpft das Start-up RealNote aus Bonn an. Mit einer Social Augmented Reality App ermöglichen sie Nutzern, virtuelle Notizen, Grafiken oder Beiträge an reale Orte zu pinnen. Dabei setzen sie auf Augmented Reality (AR).

Der Gründer

Im Jahr 2012 begann Sebastian Weller an der Rheinisch-Westfälischen Technischem Hochschule in Aachen Wirtschaftsingenieurwesen mit der Vertiefung Bauingenieurwesen zu studieren. Seit 2016 beschäftigt sich der Gründer mit Augmented Reality, im Rahmen seines Studiums vorerst vor allem im Unternehmensumfeld. Weller untersuchte die Anwendbarkeit von AR auf Baustellen und Ingenieurwesen. Er kam dazu immer wieder mit seinem Vater, Michael Weller, ins Gespräch. Wie könnte man Augmented Reality im täglichen Leben einsetzen?

Schnell hatten sie die Idee: Statt Häuser mit Graffitis zu beschmieren, könnte man einfach virtuelle Botschaften hinterlassen. Umweltfreundlicher sei das allemal. Im Mai 2017 gründeten Vater und Sohn gemeinsam “RealNotes”.

Ein soziales Netzwerk à la Pokémon Go

Das Gründergespann Weller entwickelte eine Applikation, mit welcher der Nutzer “Notes” in Form von Bildern, Schrift, Selfies und 3D-Modellen an realen Orten hinterlassen kann. So kam es zum Namen “RealNote”.

Wir sprechen damit also jeden an, der sein Selfie ganz groß rausbringen will, den richtigen Spruch zum richtigen Ort hat, sich künstlerisch verewigen oder einfach nur sehen will, was um ihn herum durch RealNote entsteht.

Die Anwendung zeichnet sich durch ein einfaches Interface mit übersichtlichen Funktionen aus. Mit “Discover” können Nutzer die beliebtesten Posts in der Umgebung sehen, mit “Create” selbst Beiträge erstellen. Über eine Karte können User auskundschaften an welchen Orten die meiste Interaktion stattgefunden haben. Mithilfe von Augmented Reality wird der Content an den realen Objekten und Gebäuden angezeigt.

RealNote greift eine neue User Journey auf: Der Content ist nicht mehr personengebunden, sondern ortsgebunden. Dieses Konzept verfolgt bereits das Netzwerk Jodel. Hier werden ausschließlich Nachrichten und Bilder von anderen Nutzern angezeigt, die sich in einem etwa 10-Kilometer-Radius des Users befinden. Die Nutzer bleiben anonym. Besonders bei Studenten erfreut sich Jodel großer Beliebtheit. Bei RealNote gibt es zwar Nutzer-Profile, doch der Fokus liegt auf der Content-Erkundung.

Das ist ein bisschen so, wie als man noch Pokémon gejagt hat, bloß dass man eben nicht mehr Pokémon jagt, sondern den Content von anderen Usern.

Durch das Konzept: “Weg von der Person hin zur Lokalität” sieht der Gründer sich nicht in Konkurrenz zu den anderen großen Netzwerken wie Instagram oder Facebook. Auch diese entdecken Augmented Reality für sich, in Form von Snapchat-Filtern oder den Gestaltungsmöglichkeiten in der Story-Funktion von Instagram. Man kann die eigenen Bilder und Videos mit virtuellen Elementen ergänzen und so seinen Content verschönern. RealNote geht noch einen Schritt weiter und ergänzt nicht nur Fotos von realen Dingen, sondern echte Orte mit virtuellem Content.

Eine Community im Aufbau

Um die Elemente möglichst realistisch in die Umgebung einzubauen, setzt der Gründer auf Deep Learning. Die selbstlernenden Algorithmen sollen dabei helfen, Schatten und Perspektiven richtig umzusetzen. Der erste Launch-Termin für die Applikation wurde daher von 2018 auf den Sommer 2019 verschoben. Mittlerweile ist RealNote für iOS und Android verfügbar. Im Google Playstore wurde die Applikation 50.000-mal heruntergeladen.

Noch fehlt es dem sozialen Netzwerk an Bekanntheit und an Nutzern, für Weller die größte Herausforderung. Der beliebteste “RealNote Influencer” ist zurzeit noch das RealNote-Team selbst – mit etwas mehr als 1.000 Followern. Trotzdem sieht der Gründer das Start-up weiterhin auf der Zielgraden. Er glaubt daran, dass Augmented Reality in den nächsten Jahren enorm an Beliebtheit gewinnen und die RealNote-Community schnell wachsen wird. Sein Start-up ist als Spieler der ersten Stunde dabei. Auf die Frage, wo er RealNote in fünf Jahren sieht, antwortet er sehr optimistisch:

Auf 10 Millionen Geräten in Deutschland und 100 Millionen Geräten weltweit. Davon hoffentlich über 1 Millionen AR-Brillen.

Über das Unternehmen:

  • Im Mai 2017 in Bonn gegründet
  • Hat eine Social Augmented Reality Applikation entwickelt
  • Umgebungsbezogener, lokaler Content statt personenbezogene Inhalte
  • Setzt Deep Learning für bessere Einbettung der Inhalte in reale Welt ein

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Sarah Kolberg

Sarah Kolberg ist Redakteurin bei fintechcube und hat sich in ihrer bisherigen Laufbahn vor allem mit der digitalen Transformation im Public Sector beschäftigt.