Künstliche Intelligenz Made in Germany - Im Porträt: Bepro Gründer Luis Kang

Next Big Think Okt. 30, 2020

Die beliebteste Sportart in Deutschland? Natürlich Fußball! Millionen kleben an Bundesliga-Wochenenden an den Fernsehgeräten, während Weltmeisterschaften herrscht Ausnahmezustand. Für die meisten Fans stehen dabei Emotionen und Leidenschaft im Vordergrund – für die Spieler jedoch die perfekte Strategie. Trainer analysieren akribisch das Spielverhalten der eigenen Mannschaft sowie die Stärken und Schwächen der Gegner. Luis Kang, Gründer des jungen Hamburger Start-ups Bepro, will ihnen dabei helfen. Mit einem Sportanalyse-Tool, das auf künstlicher Intelligenz (KI) basiert, unterstützt er Trainer bei der Vorbereitung auf das nächste Spiel. Wie der junge Koreaner so erfolgreich wurde und wieso Bepro seine Büros in der Hamburger Hafencity und nicht in Seoul hat – lesen Sie es in unserem Porträt!

Der Gründer

Hyunwook Kang, in Europa nennt er sich Luis Kang, ist 28 Jahre alt und liebt Fußball. Seit Kindheitstagen spielt er in Amateurclubs, kickt aktuell beim FC Hamburger Berg und coacht zweimal die Woche ein Kreisklasseteam. Dass er mit dem Fußball aber irgendwann einmal sein Geld verdienen wird – das hätte er wohl vor wenigen Jahren noch nicht gedacht.

Sein Studium jedenfalls hatte wenig mit Fußball zu tun. Er studierte Sozialpädagogik und Entrepreneurship in Seoul, wo er auch aufgewachsen ist. Noch ein Jahr hätte er bis zu seinem Uni-Abschluss gebraucht. Doch er beschloss sein Studium abzubrechen und alles auf sein eigenes Unternehmen zu setzen. Vorlesungen hatte er sowieso schon länger nicht mehr besucht.

I thought I could learn more by doing in the real world instead of sitting down in a classroom.

Die Anfänge

Der Weg zu seinem eigenen Unternehmen begann schon etwas früher. Er hatte die Idee, eine digitale Plattform zu entwickeln, auf der er mit Freunden und Familie Videoclips seiner Tore teilen kann.

And I‘ve scored quite a lot of goals during my career, so i surely needed it.

An der Uni war er in einem Programmierclub aktiv und so startete er gemeinsam mit weiteren Clubmitgliedern, die später übrigens mal seine Arbeitskollegen werden sollten, mit der Entwicklung. Es sollte eine Art LinkedIn für Fußballer werden, auf der alle Spieler, egal welcher Liga, ihre Clips und Statistiken hochladen können. Noch während den ersten Programmierarbeiten wechselte aber der Fokus. Die Plattform soll nicht bei Vernetzung und Austausch der Spieler helfen, sondern Mannschaften und Trainer bei der Analyse ihres Spielverhaltens unterstützen.

Kang und sein Team präsentierten ihr erstes Produkt Vertretern des südkoreanischen Fußballverbands und diese waren schlichtweg begeistert. Da wurde Luis Kang klar: Daraus mache ich ein Geschäft! Er gründete 2015 Bepro, offiziell Bepro11 genannt. Doch schon bei der Gründung war im bewusst, dass der heimische Markt kaum ausreichen würde.

I thought, if we cannot make a success in Europe which is the core market for football, it doesn‘t make sense to continue this business.

Also flog Kang mit seinen Mitstreitern für eine Marktrecherche nach Hamburg. Er war überrascht, dass im europäischen Fußball auch nur jene Technik eingesetzt wird, die er in Südkorea bereits übertroffen hat. Er zeigte sein Produkt europäischen Vertretern und auch diese waren begeistert. Er fällte darum die folgenreiche Entscheidung, den Firmensitz nach Deutschland zu verlegen.

And suddenly all ten korean guys who haven‘t lived abroad, who cannot speak german, landed here.

Das Produkt

Die Idee hinter Bepro ist eigentlich nichts neues. Schon lange filmen Analysten Spiele und Trainings, schneiden Schlüsselszenen heraus, werten sie aus und geben Statistiken an den Trainer weiter. Doch so richtig ist das Thema im Fußball noch nicht angekommen:

In spite of rapid recent developments, numbers and math are not a familiar topic for those in football compared to other sports such as baseball.

Professionelle Analysten kosten viel Geld und sind daher den großen Clubs vorbehalten. Doch auch bei diesen sieht Kang viel Verbesserungspotential: Oft würden qualitativ schlechte Camcorder zum Einsatz kommen, die immer nur das aktuelle Spielgeschehen im Blick haben. Analysen und Statistiken würden zudem oft nicht im jeweiligen Kontext interpretiert. Es entstehen Papier-Reports mit Statistiken zu Schüssen, Torversuchen oder Anzahl Pässen, ohne diese mit konkreten Spielszenen zu verknüpfen.

Therefore, Bepro came to the market to end this story and take everyone to the next step.

Bepro bietet ein moderne Sportvideo- und Datenanalyse-Tool. Drei Kameras filmen Spiele und Trainings und erfassen jede einzelne Ecke des Spielfelds. Die Software schneidet die Bilder automatisch zu einem Gesamtbild zusammen. Wie bei dem Videospiel „FIFA“ kann man sich durch das Bild navigieren, die Perspektive wechseln, rein- und rauszoomen. Eine Software analysiert schließlich mithilfe von künstlicher Intelligenz das aufgenommene Spielgeschehen.

Sie erkennt einzelne Situationen im Spiel wie Pässe, Fouls, Torschüsse oder Zweikämpfe. Zudem erhebt sie Spielstatistiken wie die Anzahl gelaufener Kilometer jedes Spielers, die Anzahl der Fehlpässe oder den Ballbesitzanteil. Anders als bei Konkurrenz-Produkten müssen Spieler dafür keine GPS-Tracker tragen, das war lediglich in einer anfänglichen Version von Bepro notwendig. Dank einer intelligenten Objekterkennung erfasst die Software die Spieler sowie den Ball zuverlässig.

Nach dem Spiel stellt ein KI-basierter Algorithmus für den Trainer die prägnantesten Szenen zusammen. Vor allem aber kategorisiert die Software die einzelnen Spielzenen und der Trainer kann sie gezielt durchsuchen. Er kann sich beispielsweise alle Zweikämpfe zwischen Spieler X und Y in der ersten Halbzeit, alle Szenen, in denen Spieler Z am Ball war oder alle Fehlpässe der eigenen Mannschaft anzeigen lassen. Das Videomaterial kann er betexten und mit Linien sowie Grafiken ergänzen, so wie wir es aus den TV-Analysen kennen. Über eine mobile App kann er die Szenen einzelnen Spielergruppen schicken und diese können sich die Ausschnitte direkt auf ihrem Handy anschauen.

By having Bepro, clients dont need to use several different platforms or providers.

Und Bepro arbeitet stetig an weiteren Funktionen. Seit kurzem ist beispielsweise Live Coding und Live Tagging möglich: Clips können bereits während dem laufenden Spiel betextet sowie mit Grafiken ergänzt und in der Halbzeit den Spielern präsentiert werden.

Die Erfolgstory ist noch lange nicht zu Ende

Für Luis Kang und Bepro geht der Weg steil nach oben. Über 700 Profi- und Amateurclubs weltweit nutzen mittlerweile ihr Tool, darunter der 1. FC Köln, der FC Bologna, die Spielakademie von Real Madrid sowie weitere Spitzenmannschaften in Europa, Südkorea, Japan, Thailand und den USA. Bepro wächst und wächst, kürzlich konnte Kang mit seinen nun über 60 Mitarbeitern Büros in der schicken Hamburger Hafencity beziehen. Er selbst wurde 2019 in die Top 30 Forbes-Liste U30 gewählt.

Auch die Investoren sind vom deutsch-koreanischen Start-up überzeugt. Diesen  Juli konnte Bepro trotz Corona eine Finanzierungsrunde über 8,8 Millionen Euro abschließen. Das Gesamtinvestitionsvolumen beläuft sich nun auf über 18 Millionen Euro. Zu den Investoren gehören neben der japanischen Softbank unter anderem die Korean Telekom, Altos Venture sowie der koreanische Internetkonzern Naver.

Noch steckt der Markt der KI-basierten Sportanalyse in den Kinderschuhen, doch Kang sieht viel Potenzial. Mit den jüngsten Investitionen will er vor allem international expandieren. Und wer weiß – vielleicht revolutionieren Luis „Hyunwook“ Kang, Bepro und künstliche Intelligenz schon bald auch andere Sportarten.

We are witnessing the start of a significant transformation in the sports industry, powered by new technology and an increased focus on analytics.

Key Facts über das Unternehmen

  1. Bepro wurde 2015 in Südkorea von Hyunwook „Luis“ Kang gegründet.
  2. 2017 zog das Unternehmen aus strategischen Gründen nach Hamburg.
  3. Bepro bietet ein KI-basiertes Sportvideo- und Datenanalyse-Tool.
  4. Im Juli 2020 konnte das Unternehmen eine Finanzierungsrunde über 8,8 Millionen abschließen. Das Gesamtinvestitionsvolumen beläuft sich auf über 18 Millionen Euro.

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Dominic Hauser

Dominic Hauser ist Redakteur bei fintechcube. Davor war er in Bern als politischer Redakteur tätig und beschäftigte sich nach seinem Umzug nach Berlin mit der Digitalisierung des Public Sectors.