Blockchain-basierte Anwendungen außerhalb der Finanzbranche

Next Big Think Dez. 23, 2020

Die Blockchain-Technologie wird die Finanzwelt nachhaltig verändern: Kryptowährungen wie der Bitcoin werden immer wichtiger, die Tokenisierung ermöglicht die Digitalisierung realer Vermögenswerte und Smart Contracts machen Prozesse im Leasing effizienter. Doch Blockchain ist nicht nur für die Finanzbranche ein Gamechanger. Auch in vielen anderen Lebensbereichen ermöglicht die Technologie einfachere, sicherere und transparentere Lösungen. Es gibt unzählige Beispiele und es werden wohl laufend neue dazu kommen – drei stellen wir Ihnen im olgenden Artikel vor.

Speicherung von Gesundheitsdaten

Rund ein Drittel der weltweiten Datenmenge fällt in der Gesundheitsbranche an. Die Daten sind zwar zunehmend digital gespeichert, häufig liegen sie aber in Datensilos und werden mit untereinander inkompatiblen Systemen verwaltet. Der Datenaustausch ist dadurch schwierig, wenn nicht gar unmöglich. Doch Gesundheitsdaten sind hochsensibel. Patienten wollen sichergehen, dass auch wirklich nur Akteure darauf Zugriff haben, die es auch sollen. Daher können sie nicht einfach in irgendeiner Cloud gespeichert werden.

Sowohl den Datenaustausch ermöglichen als auch den Datenschutz sicherstellen kann die dezentrale und sichere Speicherung in der Blockchain. Patienten können mithilfe von Smart Contracts selbst bestimmen, wer wann und in welchen Umfang Zugriff auf die Gesundheitsinformationen hat. Bei einem Zwischenfall während des Japan-Urlaubs kann dem lokalen Arzt beispielsweise kurzzeitig Zugriff auf relevante Daten gegeben werden.

Doch nicht nur Diagnosen und Notizen der Ärzte, auch Daten aus anderen Quellen können in der Blockchain gespeichert werden. Beispielsweise Daten der Fitnessuhr oder von der Bluetooth-Waage, auf die man sich jeden Morgen stellt. Auch hier entscheidet der Patient selbst, wer darauf zugreifen kann. Dem Hausarzt überlässt man die Pulsaufzeichnung für eine präzisere Diagnose vielleicht gerne. Der Krankenkasse will man diese gesundheitsrelevanten Daten vielleicht nicht unbedingt geben.

Verwaltung und Politik

In der deutschen Verwaltung gibt es rund 213 öffentliche Register, verteilt auf zahlreiche Behörden und alle föderalen Ebenen. Ein Austausch zwischen diesen Registern besteht kaum. Es ist normal, dass Bürgerinnen und Bürger ihre Daten bei jeder Behörde neu angeben müssen, obwohl diese dem Staat an anderer Stelle bereits vorliegen. Eine öffentliche Blockchain, in dem entsprechenden Daten sicher gespeichert sind, könnten die Register vereinheitlichen und das Once Only-Prinzip auch in der Verwaltung endlich umsetzen.

Auch Wahlen können mithilfe der Blockchain-Technologie sicher, transparent und komplett digital stattfinden. Einerseits wird die Stimmabgabe so für alle Wahlberechtigten zeit- und ortsunabhängig möglich. Anderseits können Bürgerinitiativen und Medien die Ergebnisse im Protokoll nachlesen und selbst überprüfen. Theoretisch kann sogar jeder Bürger die Ergebnisse kontrollieren, sofern er dafür das notwendige technische Know-how hat. Da keine zentrale Instanz die Kontrolle über die Blockchain hat, sind Blockchain-basierte Wahlen vor allem in Ländern sinnvoll, in denen das Vertrauen in zentrale Institutionen und Regierungen niedrig ist.

Für die Wahl in der Blockchain erhält jede wahlberechtigte Person einen Sicherheits-Token, also eine Art elektronischen Schlüssel für die persönliche Identifikation. Die einzelnen Kandidaten haben ein Konto, auf das Stimmen überwiesen werden. Bezüglich konkreter Ausgestaltung einer Wahl sind noch viele Fragen offen, insbesondere bezüglich der  Sicherheitsgewährleistung. Doch Digitalexperten trauen der Technologie zu, die Voraussetzung für freie und demokratische Wahlen erfüllen zu können.

Man muss auch nicht direkt mit einer Bundestagswahl beginnen. Beispielsweise können Vorstandswahlen in Vereinen und kleineren Unternehmen als Experimentierlabore dienen. Das US-Finanzhaus Broadridge hat auf ihrer Aktionärshauptversammlung beispielsweise ein solches Pilotprojekt durchgeführt. Auch bei den Präsidentschaftswahlen in Sierra Leone gab es parallel zu den Präsidentschaftswahlen 2019 erste Tests, ebenso in der japanischen Stadt Tsubaka.

Digitale und transparente Lieferketten

Lieferketten sind heute oft ineffizient und intransparent. Eine Vielzahl an Unternehmen ist beteiligt, es gibt viele Schnittstellen, oft läuft der Datenaustausch nicht bruchfrei. Zusammen mit weiteren neuen Technologien, beispielsweise KI-basierten Anwendungen, ermöglicht die Blockchain einen rechtssicheren Austausch zwischen allen Akteuren. Vom Lieferanten, über den Produzenten, Großhändler, Logistikdienstleister, Einzelhändler bis hin zum Kunden.

Alle beteiligten Unternehmen speisen die Blockchain-Datenbank und stellen Informationen zur Verfügung, beispielsweise Informationen über einzelne Produktionsschritte, Transportdauer oder Reifezeiten. Vereinbarungen können zudem mittels Smart Contracts geschlossen werden. Das sind digitale Verträge, die sich nach einer Wenn-Dann-Logik selbstständig ausführen und komplexe Prozesse automatisieren können. Bei der Bestätigung von Liefereingängen kann beispielsweise die Rechnungsabwicklung automatisch geschehen.

Aber auch Frachtpapiere, Nachweise für den Haftungsübergang oder Dokumente für die Zollabfertigung können digital in der Blockchain gespeichert werden. Der Logistikkonzern Maersk und IBM arbeiten seit 2017 an der Entwicklung verschiedener Blockchain-Anwendungen für die Frachtverfolgung und -abwicklung.

Von transparenteren Lieferketten profitieren schlussendlich auch die Konsumenten. Die Einhaltung sozialer und ökologischer Standards kann durch die Daten in der Blockchain schnell und unkompliziert geprüft werden. Dank dem Düsseldorfer Start-up Retraced können Käufer fairer Mode beispielsweise Herkunft und Produktionsbedingungen mittels QR-Code im Etikett prüfen. Ähnliches ermöglicht das unter anderem vom WWF gegründete Start-up OpenSc beim Kauf von Fisch. Dem Fisch wird ein RFID-Chip eingepflanzt, sobald er aus dem Wasser gezogen wurde. Gespeichert werden alle möglichen Daten: Wo kommt der Fisch her, wie heißt das Boot, wie wird der Fisch zerteilt und wann verpackt.  Jedes einzelne Filet, das im Supermarkt angeboten wird, kann so dem ursprünglichen Fisch zugeordnet werden.

Drei Beispiele dafür, was mit der Blockhain-Technologie außerhalb des Finanzwesens möglich ist:

  • Daten können digital und sicher in der Blockchain gespeichert werden.
  • Auch der Staat kann die Blockchain-Technologie nutzen und Verwaltungsleistungen anbieten.
  • Lieferketten können effizienter organisiert und für den Konsumenten transparent gemacht werden.

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Dominic Hauser

Dominic Hauser ist Redakteur bei fintechcube. Davor war er in Bern als politischer Redakteur tätig und beschäftigte sich nach seinem Umzug nach Berlin mit der Digitalisierung des Public Sectors.