Künstliche Intelligenz Made In Germany – Im Porträt: DeepL CEO Dr. Gereon Frahling

Next Big Think Okt. 23, 2020

Das beste Tool für Übersetzungen kommt nicht etwa von einem der großen Player wie Google, Facebook oder Microsoft.  Die qualitativ hochwertigsten Übersetzungen liefert das Kölner Start-up DeepL Im Blindtest wurden 100 Sätze durch die Tools der bekanntesten Anbieter übersetzt und von menschlichen Übersetzern bewertet. DeepL schloss bis zu dreimal besser ab als seine Mitstreiter. Auch die Universität Genf untersuchte in einer Studie die Sprachqualität verschiedener Übersetzer. Wieder einmal liefert DeepL die besten Übersetzungen.

Wie konnte das junge Unternehmen die großen Player überholen? Und welcher Kopf steckt hinter dem bisher unerreichten Translations-Tool?

Der Gründer

Wer ein Bild des DeepL-Gründers Dr. Gereon Frahling im Netz zu finden versucht, sucht vergeblich. Auch aus seinem LinkedIn-Profil mit etwas mehr als 220 Kontakten geht wohl kaum hervor, dass er eines der erfolgreichsten Translations-Unternehmen der Welt gegründet und 13 Jahre lang geführt hat.

Frahling ist Mathematiker und promovierte in theoretischer Informatik an der Universität Paderborn. Er nahm an dem Postdoktoranden-Programm von Google teil und war ein Jahr in ihrer Forschungsabteilung in New York tätig. In seiner Zeit in New York vermisste Dr. Frahling immer wieder eine schnelle und zuverlässige Option, um Phrasen zu übersetzen und den richtigen Ton zu treffen. Daraus erwuchs die Idee für das Unternehmen “Linguee”. Frahling kündigte seine Anstellung bei Google, um an seinem eigenen Projekt zu arbeiten.

Die Anfänge

Gemeinsam mit seinem Mitgründer Leonard Fink zog sich Frahling 18 Monate zurück, um Linguee aufzusetzen.

Wir sind sehr gut damit gefahren, den Lebensstandard herunterzufahren, uns 18 Monate zu vergraben und Linguee zu entwickeln. […] Dazu brauchten wir eine preiswerte Unterkunft, einen Computer und viel Pizza.

Linguee ist eine Suchmaschine für Übersetzungen. Neben der wörtlichen Übersetzung werden zahlreiche Satzbeispiele mitgeliefert, die den Nutzer dabei unterstützen, die treffendste Phrase zu finden. Frahling und Fink gründeten das Unternehmen im Jahr 2007. Mittlerweile gehen jedes Jahr rund zwei Milliarden Nutzeranfragen bei Linguee ein und 26 Sprachen werden unterstützt.

Wir haben jahrelang nichts anderes gemacht, als alle hochqualitativen Übersetzungen dieser Welt zu sammeln.

Mit zwei Milliarden Nutzeranfragen im Jahr hat Linguee zwar im Vergleich zu Google deutlich weniger Daten, jedoch haben Frahling und sein Team viel Zeit in die Aufbereitung und die Qualität der Daten investiert. Mithilfe von Webcrawlern durchforsteten sie das Netz nach guten Übersetzungen, die dann von Redakteuren bewertet wurden. Diese hochwertige Datenbasis wurde zum Training der künstlichen Intelligenz genutzt, die heute den Übersetzungs-Service auf DeepL.com ermöglicht.

DeepL wurde im Jahr 2017 gegründet. Das System basiert auf einem neuronalen Netz, das ein bisher unerreichtes Verständnis für natürliche Sprache (Natural Language Processing) entwickelt hat. DeepL kann, anders als andere Übersetzungs-Tools, zuverlässig ganze Textabschnitte auf einmal übersetzen.

Google und Co setzen bei ihren Übersetzern auf rekurrente neuronale Netze. Diese zeichnet aus, dass die Neuronen einer Schicht mit den Neuronen der vorhergehenden und nachfolgenden Schichten rückkoppeln. Das neuronale Netz von DeepL ist ein Convolutional Neural Network. Diese Form der künstlichen Intelligenz berechnet die Aktivität der Neuronen über bestimmte Faltungen und wird vor allem in der Bild- und Audioverarbeitung eingesetzt. Es ist davon auszugehen, dass die großen Player bisher von dieser Form des neuronalen Netzes abgesehen haben, da die benötigte Rechenleistung enorm ist. DeepL betreibt einen extrem leistungsfähigen Supercomputer, der in Island stationiert ist und  ganze Textabschnitte in wenigen Sekunden übersetzen kann.

Bisher gibt es den Service für zwölf Sprachen. Es ist aufgrund der großen Datenbasis von Linguee zu erwarten, dass bald weitere Sprachen angeboten werden. Für eine Textlänge von bis zu 5.000 Zeichen ist DeepL kostenlos. Wer regelmäßig lange Dokumente übersetzen muss, kann über ein Abonnement-Modell die Pro-Version nutzen.

Der Aufstieg

In Zeiten von Linguee finanzierte sich Frahlings Unternehmen zunächst durch das Schalten von Werbebannern auf den Linguee Landing Pages. Hinzu kamen zwei kleinere Investments in den Jahren 2009 und 2010 in Höhe von insgesamt 800.000 Euro.

Unser Traum war es, irgendwann so gut zu werden wie Google Translate.

Dass er eines Tages Google übertreffen würde, konnte der Mathematiker damals nicht ahnen.

Seit 2013 schrieb das Unternehmen schwarze Zahlen. Im Jahr 2016 konnte Linguee einen Gewinn von 1,3 Millionen Euro verzeichnen. Mit der Gründung von DeepL ging es weiter bergauf. Nachdem bereits der europäische Investor btov Partners als Gesellschafter bei DeepL einstieg, investierte im Dezember 2018 Benchmark Capital in das Translations-Start-up. Benchmark ist ein Kapitalgeber aus dem Silicon Valley und hat bereits in über 250 Unternehmen investiert – darunter Facebook, Uber und Dropbox. Insgesamt erwarb Benchmark 13,6 Prozent der Geschäftsanteile von DeepL.

Nach den großen Investment-Erfolgen gibt Frahling das Steuer aus der Hand. Im Juli 2019 ersetzt Dr. Jaroslaw Kutylowski Frahling als CEO von DeepL. Kutylowski ist 2012 als Chief Technology Officer in das Unternehmen gekommen und hat maßgeblich an dem Abonnement-Modell für DeepL Pro mitgearbeitet.

Dieser Wechsel wird DeepL stark vorantreiben!

Frahling selbst wollte sich der Unternehmensforschung widmen und DeepL im Bereich der künstlichen Intelligenz noch stärker vorantreiben. Seit Frühling des Jahres hat sich Frahling auch aus der Forschungsabteilung zurückgezogen und ist seither als freiberuflicher Berater für künstliche Intelligenz tätig. Es bleibt spannend zu beobachten, wie sich DeepL ohne Frahlings Zutun weiterentwickeln wird. Werden Sie Ihren Vorsprung in der maschinellen Translation halten können?

Über das Unternehmen:

  • DeepL wurde 2017 in Köln gegründet
  • Bessere Sprachqualität als Konkurrenz-Tools wie Google Translate & Co
  • Künstliche Intelligenz des Übersetzungs-Tools mit den Suchanfragen von Linguee trainiert
  • Besonders hochwertige Übersetzungsleistungen durch hochwertige Datenbasis und Convolutional Neural Network

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Sarah Kolberg

Sarah Kolberg ist Redakteurin bei fintechcube und hat sich in ihrer bisherigen Laufbahn vor allem mit der digitalen Transformation im Public Sector beschäftigt.