„Innovation ist kein Prozess. Innovation heißt experimentieren.“ 3 Fragen an Professor Dr. Bastian Halecker

Next Big Think Apr. 08, 2021

Professor Dr. Bastian Halecker von der Universität Potsdam arbeitet seit vielen Jahren an der Schnittstelle zwischen Corporates und Startups. Er ist einer der jüngsten Entrepreneurship Professoren in Deutschland und darüber hinaus als Unternehmer, Business Angel und Beirat erfolgreich. Als „Connector“ sieht er eine seiner Kernrollen darin, die Welt der etablierten Unternehmen mit der Welt der jungen Startups zu verbinden. Wir haben mit ihm darüber gesprochen, wie Startups Ideen umsetzen und Innovationen schneller in den Markt bringen – und warum wir uns davon verabschieden müssen, immer nur in Wettbewerben zu denken.

Professor Halecker, in Ihrem aktuellen Buch „Dino trifft Einhorn. 55 Dinge, die Unternehmen und Startups voneinander lernen müssen, um erfolgreich zu sein“ haben Sie die DNA von Startups genau unter die Lupe genommen. Sind Startups innovativer als etablierte Unternehmen?

Startups sind nicht per se innovativer. Es ist ein quälender Prozess, Dinge zu entwickeln – für Startups ebenso wie für große Unternehmen. Aber Startups sind aufgrund ihrer Größe, der jungen Mitarbeiter, der höheren Tech-Affinität, anderem Denken und vielem mehr schneller in der Lage, Chancen wahrzunehmen. Mithilfe von neuen Methoden und Technologien können sie Ideen relativ schnell umsetzen. Und wenn sie damit dann am Markt erfolgreich sind, schaffen sie eine Innovation.

Die Geschwindigkeit ist also ein grundlegender Unterschied, wenn es um Innovationen bei Startups und großen Unternehmen geht. Außerdem unterscheiden sich die Ambitionen: Startups streben ein viel größeres Wachstum an. Corporates sind zum Beispiel mit zwei Prozent Wachstum pro Jahr zufrieden – für ein typisches Startup wäre das zu wenig.

Welche Unterschiede sehen Sie, wenn es um die Digitalisierung von Kundenschnittstellen bei Startups und Corporates geht?

Am meisten unterscheiden sie sich in der Herangehensweise. Meist wissen große Unternehmen gar nicht, wie gut oder schlecht das Kundenerlebnis eigentlich ist. Sie können es nicht erfassen, weil die Prozesse noch gar nicht digital abgebildet sind. Sie wissen ja noch nicht einmal, woher der Kunde kommt und wie er durch den Funnel geht. Wie hoch ist die Zufriedenheit, welcher Touchpoint ist wie ausgelastet? Unsere deutsche Industrie kennt ihren Kunden eigentlich kaum. Das ist ein Grundproblem.

Für ein Startup ist hingegen klar: Wenn ich ein Geschäft auf der grünen Wiese aufbaue, mache ich erst einmal alles digital. Ich habe ja gar keine andere Möglichkeit, als den Vertrieb digital aufzubauen. Die „Direct to Consumer“-Startups starten digital und bespielen später irgendwann einmal auch Offline-Kanäle. Ein Startup startet also immer digital, experimentell und vor allem datengetrieben.

Welche drei Punkte sind aus Ihrer Sicht für die Zukunft entscheidend, damit Corporates und Startups gemeinsam Innovation in Deutschland vorantreiben können?

Einer meiner Lieblingssätze lautet: Collaboration is the new Competition! Wir müssen uns davon verabschieden, immer nur in Wettbewerben zu denken. Es muss auch nicht immer Corporate gegen Startup sein – gute Ökosysteme funktionieren mit beiden.
Die Dynamik der Märkte nimmt unglaublich zu. Siegels Law besagt, dass die Veränderungsgeschwindigkeit, wie wir sie heute kennen, nie wieder so langsam sein wird wie jetzt. Wie willst du es als Unternehmen oder Startup noch alleine schaffen, wenn sich Technologie, Markt, Kunden, Regulatorik und vieles mehr immer rasanter verändern? Das schaffst du nicht alleine!

Als zweites finde ich es extrem wichtig, dass wir experimentell, aber dennoch datengetrieben arbeiten. Oft kommen Leute auf mich zu und fragen „Sag mal, Bastian, können wir dies machen, wie wird sich jenes entwickeln?“ Und ich sage immer: Wir wissen es nicht, wir müssen es ausprobieren! Dabei müssen wir mehr an disruptive Technologien glauben und diese aus der Forschung erfolgreich in die Praxis transferieren. Auch das ist ein Grund, weshalb ich das German Deep Tech Institut gegründet habe. Uns muss es in den nächsten fünf bis zehn Jahren gelingen, das Land vom German Engineering zum German Digital Engineering umzubauen.

Und als drittes müssen wir die digitale Transformation auch als Kompetenztransformation begreifen. Dazu gehören beispielsweise Datenkompetenz, Produktkompetenz, digitale Geschäftsmodellkompetenz oder auch die Experimentierfähigkeit. Das sind alles wichtige Dinge. Dafür müssen wir auch unser Bildungssystem anpassen, das noch größtenteils auf Ideen aus dem 18.und 19. Jahrhundert basiert.

Ich lese gerade ein Buch: The Future Is Faster Than You Think. Das ist extrem augenöffnend: Wieso haben wir so einen Fortschritt? Weil wir in allen möglichen Technologieentwicklungen zusammenarbeiten. Beispielsweise Biotech und künstliche Intelligenz – und auf einmal ist es möglich, einen Impfstoff innerhalb eines Jahres zu entwickeln!

Vielen Dank für das Gespräch, Professor Halecker!

Wir fassen also zusammen: Eine der größten Herausforderungen für Unternehmen heutzutage ist die digitale Transformation. Um diesen Schritt zu meistern und auch mit den rasanten Veränderungen unserer Zeit mithalten zu können, bedarf es neuer Kompetenzen. Eine der wichtigsten Kompetenzen ist die Datenkompetenz. Echter Fortschritt entsteht jedoch nicht in isolierten Zellen, sondern nur durch Zusammenarbeit.

Möchten Sie Ihre Ideen mithilfe von neuen Methoden und Technologien schnell und datengetrieben umsetzen? Wir haben das Mindset und die Tools, um Ihre Digitalprojekte schneller „ins Laufen“ und erfolgreich an den Markt zu bringen.

fintechcube versteht sich nicht nur als Dienstleister, sondern als Digitalisierungspartner. Mit langjähriger Erfahrung aus dem Startup-Building unterstützen wir Sie gern bei der Umsetzung von innovativen Lösungen und neuen Angeboten.

Daniel Rieger   
Partnerships Development Manager   
daniel.rieger@fintechcube.com   • LinkedIn
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Gregor Puchalla

Gregor Puchalla ist Gründer und Geschäftsführer von fintechcube. Zukunftstrends sind seine Leidenschaft. Gregor hat 15 Jahre Erfahrung auf operativer und strategischer Ebene im Bereich Digitalisierung