Im Porträt: McAfee Gründer John McAfee

Next Big Think Sep. 18, 2020

Zwischen Cyber Security und Wahnsinn

Bis heute gilt John McAfee als einer der größten Köpfe im digitalen Zeitalter. Er ist eine Koryphäe der Cyber Security, mittlerweile jedoch eher für seine Exzentrik und seinen bizarren Lebensstil bekannt. Der Gründer des weltweit bekannten Soft- und Hardwareunternehmens McAfee hat ein turbulentes Leben hinter sich und macht bis heute Schlagzeilen. In diesem Porträt lesen Sie ein kleines Abbild dessen, was hinter dem IT-Pionier liegt.

Ein reges Auf und Ab

McAfee wuchs in einem zerrütteten Haushalt auf. Sein Vater war Alkoholiker, gewalttätig und nahm sich das Leben, als McAfee 15 Jahre alt war. Dieser griff am College selbst zum Alkohol. Nebenbei führte er ein Kleinunternehmen, das Kunden in Zeitungsabonnement-Fallen lockte. In den 60er Jahren arbeitete McAfee in einer Firma, die Stechkarten-Systeme entwickelte. Hier sammelte der junge McAfee erste Erfahrungen im Computing, das damals noch in den Kinderschuhen steckte.

Er war einer der ersten mit Kompetenzen in diesem Bereich und entwickelte mithilfe von IBM-Computern Zugfahrpläne für die Missouric Pacific Eisenbahnen. In dieser Zeit begann der Programmierer, harte Drogen zu konsumieren. Nach eigener Aussage ist er jedoch seit 1983 clean. Er zog in den Siebzigern in das Silicon Valley, wo er für zahlreiche Tech-Unternehmen tätig war, unter anderem für ein Forschungsinstitut der NASA.

McAfee war in den 80er Jahren Programmierer bei Lockhead, einem amerikanischen Rüstungs- und Technologiekonzern. Damals kursierte das Computervirus “Brain”. McAfee entwickelte das Programm “VirusScan”, das Brain sowie weitere potenzielle Bedrohungen auf Computern entdeckte. Im Jahr 1987 gründete er McAfee Associates. Sein Programm war die erste Virus-Software der Welt. Bald versetzte das Virus “Michelangelo” die IT-Szene in Schrecken. Vor allem weil McAfee selbst mit großer Medienaufmerksamkeit vor dem Virus warnte. Im gleichen Jahr verkaufte seine Firma sieben Millionen Antivirus-Software-Pakete.

Der Ausstieg

McAfee selbst trat bereits im Jahr 1994 aus dem Unternehmen aus. Das IT-Sicherheitsunternehmen wurde 2010 für 7,7 Milliarden US-Dollar an Intel verkauft. Es wurde aufgrund der Skandale von John McAfee in Intel Security unbenannt. Im Jahr 2016 kaufte die Texas Pacific Group für 3,1 Milliarden 51 Prozent der Anteile von Intel Security. Seither läuft das Unternehmen wieder unter dem Namen McAfee.

Mit dem Verkauf von McAfee Associates verdiente der Software-Entwickler 100 Millionen US-Dollar. Er investierte in zahlreiche Unternehmen – jedoch relativ erfolglos. Im Zuge der Immobilienkrise im Jahr 2007 verlor er einen großen Teil seines Vermögens. Die New York Times berichtete, dass er sich auf ein Kapital von vier Millionen heruntergewirtschaftet hatte. Bis heute ist John McAfee eine wichtige Persönlichkeit in der Entwickler- und Bitcoin-Szene. Er hat eine Million Follower auf Twitter und verdient als Influencer Geld über Werbedeals. McAfee ist außerdem als Berater für Kryptowährungen tätig.

McAfees Leben auf der Flucht – von Waffen, Hunden und Yoga

Kurz nach seinem Firmenaustritt gründete McAfee ein Yogazentrum. Unter dem Vorwand sich voll dem Yoga zu widmen und ein alternatives Antibiotikum zu entwickeln, wanderte er im Jahr 2008 nach Belize aus. In dem zentralamerikanischen Staat in der Karibik gründete er das Pharmaunternehmen Quorumex, das mit tropischen Pflanzen neue Medizinprodukte schaffen wollte. Ein wahrscheinlicher Grund für das Verlassen der Vereinigten Staaten könnte ein Rechtsstreit wegen Steuerhinterziehung mit der amerikanischen Regierung sein. Doch auch in Belize blieb es nicht lange ruhig um den Software-Entwickler. Sein Nachbar Gregory Faull wurde tot aufgefunden, McAfee des Mordes verdächtigt. Aufgrund der Hunde des Programmierers sei er immer wieder mit Faull aneinandergeraten. Als die Vollzugsbeamten eintrafen, vergrub sich McAfee mit einem Karton über den Kopf im Sand. Die offizielle Version für sein Selbstbegräbnis: Der Mörder seines Nachbarn wäre auch hinter ihm her gewesen.

Im Jahr 2012 folgte dann das ganz persönliche “Breaking Bad” des Cyber Security-Experten. Wieder einmal wurde er von den Behörden gesucht, diesmal wegen Waffenbesitz. Außerdem soll er seine Karriere in der Pharmazie in eine etwas andere Richtung gelenkt und Crystal Meth hergestellt haben. McAfee beschuldigte derweil den Staat Belize, schuld am Tod seiner Hunde zu sein.

Der britisch-amerikanische Unternehmer flüchtete mit dem Motorboot nach Guatemala und beantragte dort politisches Asyl. Da er illegal ins Land kam, wurde McAfee in Haft genommen und Ende 2012 in die Vereinigten Staaten abgeschoben. Dort lernte er 2013 seine zweite Frau Janice Dyson kennen, mit der er bis heute verheiratet ist. Die beiden trennt ein Altersunterschied von 37 Jahren.

Im Jahr 2016 strebte McAfee eine politische Karriere an und gründete die sogenannte “Cyber Party”. Er schloss sich auf Wunsch seiner Ehefrau jedoch der Libertarian Party an. Aufgrund seiner Rechtsprobleme war er mit seiner Jacht “Great Mystery” seit 2019 auf der Flucht. Nach eigenen Behauptungen sei die CIA hinter ihm her - tatsächlich ist es die US-Steuerbehörde. Er irrte mit einer kleinen Schiffsbesatzung durch die Karibik und verharrte in den Häfen von Kuba und den Bahamas. Während seiner Flucht-Kreuzfahrt blieb McAfee jedoch nicht untätig. Von seiner Jacht aus führte der Software-Entwickler seine Präsidentschaftskampagne für 2020 unter dem Titel “Don’t vote for me”. Über seinen Twitter-Account konnte man die gesamte Aktion mitverfolgen. Genau diese Medienpräsenz wurde dem Gründer jedoch zum Verhängnis. Mitte 2019 wurde er von dominikanischen Einsatzkräften festgenommen und zahlreiche Waffen, Munition und große Mengen an Bargeld beschlagnahmt.

McAfees Kampagnenmanager Loggia-Ramirez drohte mit der Veröffentlichung sensibler Daten, sollte der Software-Entwickler nicht freigelassen werden - darunter unter anderem die wahre Identität des Bitcoin-Erfinders. Das Cyber Security-Urgestein wurde nach wenigen Tagen aus dem Gefängnis freigelassen.

Wo geht es hin mit John McAfee?

Erst vor wenigen Wochen wurde McAfee erneut festgenommen - diesmal in Norwegen. Er hatte anstelle einer Atemschutzmaske Damenunterwäsche im Gesicht getragen. Der mittlerweile 74-jährige ist immer wieder für eine Schlagzeile gut und nicht nur das: Die großen Filmstudios haben den Unterhaltungswert des Software-Entwicklers erkannt. Es wurde bereits der Dokumentarfilm “Gringo: The dangerous life of John McAfee” über das Leben von McAfee gedreht. Auch Hollywood und Netflix planen eigene Verfilmungen.

Auch wenn er vor allem aufgrund seines Lebensstils in die Presse kommt, McAfees Vermächtnis besteht bis heute. Das Unternehmen McAfee ist einer der großen Namen in der IT-Sicherheitsbranche. Was mit seiner Software begann ist zu einem Cyber Security-Weltkonzern herangewachsen. Sie bieten mittlerweile nicht nur Anti-Viren-Programme an, sondern Rundum-Schutz für Unternehmen und Privatpersonen.

Über das Unternehmen McAfee:

  • McAfee Associates im Jahr 1987 von John McAfee gegründet
  • Mit Virusscan erstes Antiviren-Programm der Welt entwickelt
  • John McAfee trat 1994 aus Unternehmen aus
  • McAfee 2010 von Intel gekauft
  • Texas Pacific Group kauft 2016 den Großteil der Anteile am Unternehmen

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Sarah Kolberg

Sarah Kolberg ist Redakteurin bei fintechcube und hat sich in ihrer bisherigen Laufbahn vor allem mit der digitalen Transformation im Public Sector beschäftigt.