Im Porträt: Cloudera CEO Robert Bearden

Next Big Think Okt. 09, 2020

Wir geben es ja zu: Auch wir preisen Ihnen auf unserem Blog immer wieder an, was sie mit Ihren Daten alles anstellen können. Informationsgetriebene künstliche Intelligenz (KI) gestaltet Prozesse in Ihrem Unternehmen effizienter und holt das volle Potenzial aus Ihren Datenbeständen heraus. Doch ganz so einfach ist das nicht immer - für den Einsatz brauchen sie auch viel Rechenleistung. Eine Lösung ist das Software-Framework Hadoop, bei dem die Prozesse nicht auf einem einzigen Supercomputer, sondern parallel auf verschiedenen Rechnern verteilt durchgeführt werden.

Um die Jahrzehntwende rum war Hadoop noch der Superstar im Software-Himmel – doch nach und nach verliert Hadoop an Bedeutung und bekommt ernsthafte Konkurrenz von Cloud-Anbietern. Als CEO des Hadoop-Marktführers Cloudera hat Robert Bearden nun die Aufgabe, das Unternehmen trotzdem in eine erfolgreiche Zukunft zu führen. Unsere Geschichte über den Werdegang des US-Südstaatlers, Hadoop und kleine Elefanten.  

Open Source ist seine Heimat

Robert „Rob“ Bearden wuchs in Atlanta auf und blieb den Südstaaten auch für sein Studium in Marketing an der University of Jacksonville treu. Schon seine ersten beruflichen Stationen zeigten, in welche Richtung seine Karriere geht: Software! Er arbeitete unter anderem für Oracle, führte die Geschäfte in Nord- und Südamerika für i2 Technologies und war Vice President für den weltweiten Vertrieb bei Manhattan Associates. Er kam also viel in der Welt herum – seine Heimat blieb ihm aber immer wichtig. Im Jahr 2009 wurde er von der University of Georgia als Entrepreneur in Residence ernannt. In dieser Position begleitet er Studenten bei der Gründung eigener Unternehmen und berät sie bei der Strategieentwicklung. Bei seiner Ernennung sagte er:

It will position us to become what I’ve always dreamed of Georgia becoming, which is the best place in the world for tech companies to start, grow and develop into very large, valuable and important companies.

Mitte der Nullerjahre begann er seine ersten Tätigkeiten bei Firmen, die auf Open Source setzten. Eine Entscheidung, die seine Zukunft nachhaltig prägen sollte. Er war President und Chief Operation Officer (COO) bei JBoss, arbeitete später für OpenSpan sowie SpringSource und war Vorstandsmitglied weiterer Open Source Firmen, darunter Pentaho und Black Duck. Open Source ist für Bearden die Zukunft der Software-Industrie:

It’s as transformative to the software industry as the cloud has been for the traditional hardware and storage industry.

Open Source bedeutet, dass der Quellcode einer Software offen ist und bearbeitet werden kann. Vorteil ist, dass die Software so relativ einfach den jeweiligen Bedürfnissen angepasst und in bestehende Systeme miteingebaut werden kann. Anders als bei „geschlossenen“ Systemen, wie beispielsweise die Microsoft Office Palette, ist für die Nutzung keine Lizenz erforderlich. Im Umkehrschluss bedeutet dies auch, dass die Vertreiber solcher Software-Lösungen kein Geld mit der Lizenzierung verdienen. Meist verdienen Open Source Unternehmen Geld durch Zusatzleistungen wie technischen Support, Sicherheits-Updates oder die Implementierung der Software in eine bestehende Umgebung. Teilweise ist auch nur der Kern der Software quelloffen und kostenlos, Erweiterungen müssen jedoch dazu gekauft werden.

The best place to innovate that tech is actually to put it in open source and get a community to form around it, with a core team that’s focused on guiding the roadmap, doing core innovation and taking it through to becoming an enterprise product. This is absolutely becoming the new model of software.

Big Data und ein Elefant

Open Source spielt auch bei Beardens nächster beruflicher Station eine zentrale Rolle. Im Jahr 2011 ist er an der Gründung des Unternehmens Hortonworks beteiligt, wird erst COO und 2013 schließlich CEO. Hortonworks ist eine Ausgründung aus Yahoo, bei der etwas mehr als 20 Yahoo-Mitarbeiter sowie Externe wie Bearden beteiligt waren. Das neue Unternehmen soll sich fortan auf die Weiterentwicklung von Hadoop-Distributionen konzentrieren.

Hadoop ist ein auf Java basierendes Software Framework, mit dem sich große Datenmengen in hoher Geschwindigkeit verarbeiten lassen, indem Prozesse parallel auf verschiedenen Computern verteilt durchgeführt werden. Es gibt einen Master-Knoten, der mehrere Knoten im sogenannten Slave-Modus kontrolliert. Der Master-Knoten steuert den gesamten Prozess, die eigentliche Arbeit wird bei den Slave-Knoten durchgeführt. Alle diese Knoten sind nicht auf einem zentralen Rechner, sondern dezentral auf verschiedenen Computern verteilt. Auf diese Weise können Massen an Daten aus unterschiedlichsten Quellen analysiert und nutzbar gemacht werden. Gerade im Zeitalter von Big Data für viele Unternehmen extrem wichtig.

We are focused on being able to bring all data under management. That begins with the data from the point of origin, like a sensor or a clickstream or even a video, and bringing that under management, engaging with that data while it’s in motion, and processing it to make decisions.

Benannt ist Hadoop übrigens nach dem Spielzeugelefanten des Sohnes von Hadoop-Erfinder Doug Cutting. Inspiriert vom Spielzeugelefanten, der bis heute im Hadoop-Logo zu finden ist, hat sich auch Hortonworks nach einem berühmten Elefanten benannt: Jenem aus dem Kinderbuch „Horton Hears a Who“.

Hadoop war um die Jahrzehntwende die große Zukunftshoffnung. Endlich war es auch kleineren Unternehmen möglich, unkompliziert Datenmassen zu analysieren und so Business Intelligence-Lösungen zu optimieren. Dementsprechend waren Bearden und seine Mitgründer auch nicht die ersten, die in diesem Markt um Kunden buhlen wollten. Bereits 2008 wurde das Unternehmen Cloudera gegründet, 2009 MapR. Bei Cloudera arbeitete inzwischen auch Hadoop-Erfinder Doug Cutting. Während die beiden Konkurrenten zwar auch eine Open Source-Strategie verfolgten, jedoch über zahlungspflichtige Zusatzangebote verfügten, setzte Hortonworks vollständig auf offene Software-Lösungen.

In den ersten Jahren konnten Bearden und sein Team rund 250 Millionen Dollar einsammeln. Neben Yahoo gehörten auch andere große Namen wie Vertex Venture Capital oder Hewlett-Packard zu den Investoren. Durch eine erneute Finanzierungsrunde im Juli 2014 konnte Hortonworks den Unternehmenswert auf über eine Milliarde Dollar steigern, womit das Unternehmen fortan zum Club der Einhörner gehörte. Auch nach einem erfolgreichen Gang an die Börse im darauffolgenden Winter konnte der Unternehmenswert gehalten werden.

Unsichere Zeiten für Bearden und den Elefanten

In den folgenden Jahren glich der Aktienkurs jedoch einer Berg- und Talfahrt, zwischenzeitlich verlor Hortonworks den Einhorn-Status. Den Kaliforniern ging es ähnlich wie vielen Tech-Start-ups: Investoren waren hin und her gerissen zwischen Zukunftseuphorie und Unsicherheit. Zwar konnten Bearden und sein Team jedes Jahr den Umsatz vervielfachen – doch aus den roten Zahlen kam das Unternehmen nicht raus.

Vor allem gab es aber grundsätzliche Bedenken in der Tech-Community an Hadoop: Einst als neuer Superstar gefeiert, wurde nun plötzlich daran gezweifelt, ob Hadoop überhaupt ein Zukunftsmodell sei. Einerseits entstanden immer wieder technische Schwierigkeiten. Anderseits wurden Cloud-Anbieter, die flexiblere und teilweise kostengünstigere Alternativen bei Datenspeicherung und -verarbeitung anbieten konnten, zu einer ernsthaften Konkurrenz. Zur Überraschung vieler verkündeten 2018 die beiden Hadoop-Marktführer Hortonworks und Cloudera in Zukunft gemeinsam zu arbeiten und deshalb zu fusionieren.

Together, we are well positioned to continue growing and competing.

Wobei die „Fusion“ von manchen eher als freundliche Übernahme bezeichnet wurde: Das neue Unternehmen hieß Cloudera, 60 Prozent der Aktien gehörten den bisherigen Cloudera-Aktionären, Schlüsselpositionen wurden mit Cloudera-Leuten besetzt. Auch Robert Bearden hatte keine operative Funktion im neuen Unternehmen und wurde Mitglied des Aufsichtsrats.

Doch die Fusion der beiden Konkurrenten kam bei Anlegern trotzdem gut an, die Aktienkurse der beiden Unternehmen stiegen um zehn Prozent. Doch bei steigenden Kursen blieb es nicht lange: Kurz nach der Fusion stürzte der Börsenkurs um 30 Prozent ab. Neben der grundsätzlichen Diskussion um die Zukunft von Hadoop kamen Zweifel an CEO Tom Reilly auf. Die Integration der operativen Prozesse der zwei Unternehmen haperte, die künftige Roadmap des neuen Unternehmens war den Anlegern zu unklar. Tom Reilly musste seinen Posten räumen, Anfangs 2020 wurde Rob Bearden CEO von Cloudera.

Bearden muss den Fusionsprozess erfolgreich bewältigen und Cloudera in eine Zukunft führen, in der Hadoop mehr und mehr an Bedeutung verlieren wird – keine einfache Aufgabe. Erklärtes Ziel von Bearden ist, Cloudera als Data-Unternehmen zu positionieren und weg zu kommen vom Image als Hadoop-Dienstleister. Distanzieren sich die Kalifornier also nach bis nach vom Elefanten? Anders als bei Hortonworks ist im neuen Logo von Cloudera jedenfalls kein Elefant mehr zu finden.

Drei Punkte, di eman aus Rob Beardens Geschichte lernen kann:

  1. Open Source wird immer wichtiger und wird den Software-Markt nachhaltig beeinflussen.
  2. Auch für Technologien können sich Zeiten schnell ändern: War 2010 Hadoop noch unangefochtener Superstar, so wird heute von vielen an einer erfolgreichen Zukunft gezeweifelt.
  3. Unternehmen müssen sich stets neusten Entwicklungen anpassen und können sich nicht einfach auf bisherigen Erfolgen ausruhen.

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Dominic Hauser

Dominic Hauser ist Redakteur bei fintechcube. Davor war er in Bern als politischer Redakteur tätig und beschäftigte sich nach seinem Umzug nach Berlin mit der Digitalisierung des Public Sectors.