Im Porträt: DJI Gründer Frank Wang

Next Big Think Juni 19, 2020

Vom Spielzeug-Nerd zum Drohnen-Milliardär

Das chinesische Unternehmen DJI ist Weltmeister im Export von Drohnen. Die Geschichte des globalen Drohnen-Marktführers beginnt in der Zhejiang-Provinz:  Aus der Begeisterung eines Kindes sollte Jahrzehnte später ein milliardenschweres Unternehmen erwachsen. Der Weg dahin ist mit Leidenschaft und jahrelanger harter Arbeit gepflastert. In den Anfängen musste DJI noch um Messeplätze außerhalb des Billig-Spielzeug-Bereichs kämpfen. Heute werden die Drohnen des Unternehmens auf der ganzen Welt eingesetzt. Vom Spielzeug kann auch nicht mehr die Rede sein: DJI-Drohnen filmen Hollywood-Streifen, sie untersuchen Unfallstellen, sie retten Leben.

Der Gründer

Der Mann hinter den Drohnen ist Frank Wang.  Er wuchs in Hangzhou auf und begeisterte sich schon als Kind für die Technologien, die ihn zum ersten Drohnen-Milliardär der Welt machen sollten. Wang wünschte sich von seinen Eltern einen ferngesteuerten Spielzeughelikopter. Sein Geschenk verunglückte nach kürzester Zeit. Doch davon ließ sich der junge Wang nicht unterkriegen und er begann seine Spielzeuge selbst zu reparieren. Seitdem haben ihn die unbemannten Flugobjekte stetig begleitet.

Bürgerlich heißt der 40-jährige DJI-Gründer Wang Tao. Er änderte seinen Namen zu Frank Wang, da der Name für internationale Partner einprägsamer sei. Der Multimilliardär hält sich meist vom Rampenlicht fern. Wenn er doch einmal vor die Kamera tritt, dann stets mit einer Schieberkappe auf dem Kopf.

In den Medien gibt man Wang verschiedene Namen – vom bescheidenen Drohnenhersteller bis hin zum Drohnenkönig. Das Forbes-Magazin hat ihn in die Top 10 der größten Innovatoren Chinas gewählt.

Die Anfänge

Wang ist Elektroingenieur und hat an der Hongkong University for Science and Technology studiert. Er startete DJI als ein Forschungsprojekt und entwickelte ein intelligentes Tracking-System für ferngesteuerte Flugobjekte, das dem Gerät auch unter schwierigen Konditionen das Fliegen ermöglicht. Für sein Projekt erhielt er von der Universität einen kleinen finanziellen Zuschuss.

Wang investierte viel Zeit und Mittel in die Forschung und gründete im Jahr 2006 Dajiang Innovations, kurz DJI. Dajiang bedeutet:  Große Ambitionen kennen keine Grenzen.

Diese großen Ambitionen verfolgte der Gründer - auch mit begrenzten Möglichkeiten. Denn zum Zeitpunkt der Gründung wohnte Wang noch im Studentenwohnheim in Hongkong. Kurz darauf mietet er einen Sitz für die junge Firma: eine kleine Wohnung in Shenzhen.

Begonnen hat das Unternehmen mit der Herstellung von Steuerungen für andere Drohnenhersteller. Durch das Flugmodul können die Drohnen automatisiert stabil fliegen und der Pilot muss das Gerät nicht kontinuierlich gegensteuern. Drohnen waren damals aber noch recht kompliziert und teuer, Steuer-Module waren Nischenware. Daher blieben die Verkaufserfolge vorerst aus.

Wir haben damals ein oder zwei Flugsteuerungen im Monat verkauft.

DJI erweiterte seinen Produktkatalog: Neben Fernsteuerungen entwickelte das Unternehmen nun auch Drohnenzubehör, Propeller und Kameras. Dadurch ging es für DJI seit 2009 steil nach oben.

Wir sind seit 2009 Jahr für Jahr um das Drei- bis Fünffache gewachsen.

Lange jedoch wurden die Produkte von DJI nicht ernst genommen. Waren, die in China entwickelt wurden, galten als billig und minderwertig. Auf Messen wurden diese daher in eigenen Bereichen ausgestellt.

Im Jahr 2010 dann auch hier der Durchbruch: Bei der Nürnberger Spielzeugmesse darf sich DJI erstmalig außerhalb des “Made in China”-Bereichs präsentieren.

Der Aufstieg

Mit der Produktion von Steuerungssystemen und Zubehör wurde Wang immer wieder mit dem State-of-the-Art im Drohnenbau konfrontiert.  Wang fiel auf, dass die Drohnen derzeit zu teuer, zu anfällig, zu groß und zu schwierig zu bedienen waren. Würde man Drohnen in der Bedienung vereinfachen und günstiger produzieren, wäre der Markt viel größer.  So machte er es sich zum Ziel, eine eigene Drohne zu entwickeln:

Ein einfach zu bedienendes Produkt, das den menschlichen Traum zu fliegen, realisieren kann.

Und so präsentierte DJI im Jahr 2013 seine erste Drohne, die Phantom 1, die über Nacht zum Bestseller wurde. Bis heute gehören die Drohnen der Phantom-Serie zu den meist verkauften Produkten des Unternehmens. Sie können für rund 1.000 US-Dollar erworben werden.

Mittlerweile hat DJI etwa 70 Prozent Marktanteil am Drohnengeschäft weltweit. Wang hält 45 Prozent der Anteile der Firma. Das Unternehmen hat über 6.000 Mitarbeiter und Standorte in China, Hongkong, Japan, Nordamerika und Europa. Die Firmenkultur ist trotz der chinesischen Wurzeln der Firma global ausgelegt. DJI ist ein internationales Team aus jungen Top-Ingenieuren, die teils von Tesla und Apple abgeworben wurden.

Wir wollen die talentiertesten Leute der Welt, ganz einfach.

Nutzerfreundlichkeit und Security haben Vorrang

Ein Großteil der Drohnen von DJI kann ohne Weiteres per App gesteuert werden. Durch die einfache Bedienbarkeit und den vergleichsweisen niedrigen Preis sind DJI-Drohnen daher auch für Privatpersonen attraktiv. Frank Wang hat den Markt somit nicht nur revolutioniert, sondern auch maßgeblich vergrößert. DJI kooperiert mit Microsoft und will sich weiteren Drittanbietern öffnen. Die Drohnen sind mit Windows 10 kompatibel und können ihre Kameradaten in Echtzeit an Rechner übermitteln.

Nachdem im Jahr 2015 eine DJI-Drohne in eine Wand des Weißen Hauses geflogen ist, hat der Hersteller ein Geo-System auf seinen Drohnen installiert, das als Stoppschild für restriktive Gebiete gilt. Wird der Luftraum eines geschützten Gebiets geschnitten, dreht die Drohne automatisch ab.  Die Drohnen sollen von der chinesischen Regierung genutzt worden sein, um die USA auszuspionieren. Ganz Washington gilt daher mittlerweile als “drohnenfreie Zone”. Einige Hacker fanden trotzdem Mittel und Wege die Flugrestriktionen der Drohnen zu umgehen. Da es über die Jahre immer wieder zu solchen Fällen kam, belohnt DJI jede gefundene und gemeldete Sicherheitslücke ihrer Drohnen mit 30.000 US-Dollar.

Emmy-Gewinner und Lebensretter

Aus der Filmindustrie sind die Drohnen nicht mehr wegzudenken. Luftaufnahmen, die früher mit Helikopterflügen und hohen Kosten verbunden waren, werden heute fast ausschließlich mit Drohnen aufgenommen. DJI-Drohnen wurden beispielsweise bei den Dreharbeiten von Game of Thrones verwendet und im Jahr 2017 sogar mit einem Emmy ausgezeichnet. Wangs Drohnen wurden nach dem großen Erdbeben 2015 in Nepal eingesetzt, um eine 3D-Karte für den Rettungseinsatz zu erstellen. Sie waren Auskundschafter bei den Buschbränden in Australien. DJI-Drohnen werden regelmäßig genutzt, um die Schäden bei Unfällen auf deutschen Autobahnen besser einzuschätzen und den weiteren Fahrbetrieb zu organisieren. Drohnen werden in zahlreichen Industriezweigen genutzt und in den nächsten Jahren weitere Bereiche erschließen. Wang ist sich über die Jahre stets treu geblieben und hat aus seinem Kindheitstraum ein Drohnen-Imperium aufgebaut. Er sieht der kommenden Zeit mit Neugier entgegen:

Die nächsten fünf bis zehn Jahr werden eine sehr interessante Zeit für unbemannte Flugobjekte und ich freue mich auf die Zukunft.

Sarah Kolberg

Sarah Kolberg ist Redakteurin bei fintechcube und hat sich in ihrer bisherigen Laufbahn vor allem mit der digitalen Transformation im Public Sector beschäftigt.