In der Praxis: Künstliche Intelligenz im Leasing

Next Big Think Nov. 19, 2020

Wie alle Unternehmen steht auch die Leasingbranche vor großen Herausforderungen. Die zunehmende Digitalisierung bringt veränderte Kundenbedürfnisse, neue Geschäftsmodelle und damit auch neue Wettbewerber mit sich. Doch die Digitalisierung sollte auf keinen Fall nur als Bedrohung verstanden werden. Neue Technologien bieten auch eingesessenen Leasingunternehmen große Chancen. Eine wichtige Rolle dabei spielt künstliche Intelligenz (KI).  

Flexiblere Finanzierungsangebote für Kunden

Leasingraten werden heute meist bereits bei Abschluss eines Leasingvertrages für die gesamte Vertragslaufzeit vereinbart und verteilen sich gleichmäßig über die gesamte Nutzungsdauer. Zwar bieten diese fixen Raten für beide Seiten eine gewisse Planungssicherheit – der Leasinggeber weiß, was er bekommt und der Leasingnehmer was er monatlich zu bezahlen hat. Doch gerade bei längeren Laufzeiten bergen solch starren Raten die Gefahr, dass beide Seiten nicht flexibel auf unvorhersehbare Ereignisse reagieren können.

Mehr Flexibilität, sowohl für Leasinggeber als auch -nehmer, kann durch den Einsatz von künstlicher Intelligenz und weiteren Technologien geschaffen werden. Möglich werden beispielsweise neue pay-as-you-earn- oder pay-per-use-Modelle.

Pay-as-you-earn ist im Leasing ein bereits verbreitetes Modell, bei dem die Leasingraten vom effektiven Nutzen des Leasingobjekts für den Leasingnehmer abhängen. Least ein Unternehmen beispielsweise eine Produktionsmaschine, so werden Raten erst dann fällig, wenn die Anlage auch tatsächlich in Betrieb ist und einen effektiven Nutzen erwirtschaftet. Steht eine Maschine still, aktuell beispielsweise aufgrund einer Corona-bedingten Schließung, so entstehen dem Unternehmen auch keine Kosten. Leasingraten werden also quasi direkt aus den Erträgen des Leasingobjektes bezahlt.

Pay-per-use ist zwar im Leasing noch nicht verbreitet, ansonsten aber überhaupt kein neues Geschäftsmodell. Für uns ist selbstverständlich, dass die Kosten für den Mietwagen von der Anzahl gefahrener Kilometer abhängen. Viele Arbeitgeber bezahlen nicht für die Kaffeemaschine im Büro sondern für jede verbrauchte Kaffeekapsel. Die meisten Druckerfirmen machen ihr Geschäft über den Verkauf von Patronen und nicht mit den Geräten selbst.

Da immer mehr Objekte über immer präzisere Sensoren verfügen und mit dem Internet verbunden sind, wird pay-per-use auch im Leasing praktikabel und pay-as-you-earn auf eine neue Stufe gehoben. Denn durch intelligente Vernetzung kann genau registriert und vor allem in Echtzeit übertragen werden, wann und wie intensiv ein Gegenstand genutzt wird. Raten für Leasingobjekte können so flexibel und für beide Seiten transparent dem effektiven Gebrauch angepasst werden.

Ende 2018 präsentierte die Commerzbank zusammen mit dem Maschinenbauer Emag als erste Großbank ein komplett digitales pay-per-use-Leasingprodukt. Die Nutzung des Objekts wird über ein Machine-to-Machine-Gateway erfasst und über Mobilfunknetz übertragen. Für die Berechnung der flexiblen Leasingrate wird zwischen geringer, mäßiger und maximaler Auslastung unterschieden.

Zusätzliche Services und Dienstleistungen für den Kunden

Kerngeschäft von Leasingunternehmen bilden zwar Finanzdienstleistungen, doch Kunden erwarten vermehrt weitere Services. Insbesondere im B2B-Autoleasinggeschäft buhlen immer mehr Anbieter mit Full-Service-Angeboten um Kunden. Mit den monatlichen Raten ist nicht nur die Objektfinanzierung abgedeckt, sondern beispielsweise auch Kosten für Versicherung, Wartung oder einen Objekttausch. Durch den Einsatz neuer Technologien sind vollkommen neue  Zusatzleistungen möglich.

Durch Sensoren am Leasingobjekt und einer intelligenten Vernetzung können Leasingunternehmen ihren Kunden beispielsweise „Predicitive Maintenance“ anbieten. Predictive Maintenance bedeutet eine vorausschauende Instandhaltung, indem Prozess- und Maschinendaten in Echtzeit erhoben und verarbeitet werden. Aus diesen Daten werden Prognosen erstellt, die es ermöglichen, Wartungsarbeiten präzise und vorausschauend zu planen. Leasingunternehmen können ihren Kunden also den Service bieten, dass sie über notwendige Wartungen informiert werden, bevor überhaupt ein Defekt entsteht.

Auch in der Kommunikation mit Kunden ist einiges möglich. Zwar wird nach wie vor großer Wert auf eine persönliche Beratung gelegt. Doch diese kann durch den Einsatz neuer Technologien und digitaler Lösungen verbessert werden. Intelligente Systeme können beispielsweise Kundenbestände kategorisieren sowie filtern und ermöglichen dadurch eine anlassbezogene Kommunikation. So entstehen zusätzliche Touch Points für Berater und passende Lösungen können proaktiv angeboten werden.

Durch die Integration von Chatbots kann zudem der Kundendienst verstärkt werden. Chatbots sind KI-basierte Anwendungen, bei denen wir mit einem Computer kommunizieren, als wäre er ein Mensch. Chatbots können einfache Fragen rund um die Uhr und ohne Wartezeiten beantworten und Anliegen falls nötig an menschliche Kollegen weiterleiten.

Drei Chancen von KI in der Leasingbranche

  1. Den Kunden können beispielsweise durch pay-as-you-earn oder pay-per-use-Modelle flexiblere Verträge geboten werden.
  2. KI kann menschliche Kundenberater unterstützen und für eine proaktive Kundenkommunikation sorgen.
  3. Neue Wege der Kundenkommunikation werden möglich. Beispielsweise können Chatbots rund um die Uhr und ohne Wartezeiten Fragen beantworten.

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Dominic Hauser

Dominic Hauser ist Redakteur bei fintechcube. Davor war er in Bern als politischer Redakteur tätig und beschäftigte sich nach seinem Umzug nach Berlin mit der Digitalisierung des Public Sectors.