Künstliche Intelligenz im Alltag - Haushaltsroboter

Next Big Think Nov. 30, 2020

Es ist eine Vorstellung, von der die Menschheit schon immer geträumt hat: Beine hochlegen und sich rundum von Robotern bedienen lassen. Vor 50 Jahren mag man sich die heutige Zeit vielleicht futuristischer vorgestellt haben, als dass sie nun wirklich ist. Doch mit den richtigen Geräten kann man sich bereits heute viel Arbeit abnehmen lassen. Staubsaugen? Das ist so 2010. Rasenmähen? Machen Sie seit Jahren nicht mehr selbst. Aufstehen, um das Licht anzumachen? Haben Sie nicht mehr nötig! Dank künstlicher Intelligenz (KI) und Robotik werden uns immer mehr Dinge von kleinen Helfern abgenommen.

Der Klassiker: Staubsaugroboter

Der in Deutschland am häufigsten anzutreffende Haushaltsroboter ist wohl der Staubsaugroboter. Laut einer 2017 von Bitkom durchgeführten Studie können sich 42 Prozent der Bundesbürger vorstellen, einen solchen zu kaufen. In 15 Prozent der Haushalte rollt das kleine Gerät bereits durch die Wohnung. Staubsaugroboter sind längst massentauglich geworden: Billigmodelle aus China gibt es bereits ab 100 Euro, Experten raten jedoch dazu, mindestens 300 Euro zu investieren. Nur diese würden eine zuverlässige Navigation und lange Akkulaufzeit bieten.

Gesteuert werden die kleinen Helfer meist über eine dazugehörige App. In der App kann der Roboter auch aus der Ferne gestartet, ein Timer gestellt oder ein laufender Putzvorgang abgebrochen werden. Teurere Modelle sind auch über Sprachbefehl steuerbar, beispielsweise mithilfe von Siri oder Alexa. Günstigere Modelle haben teilweise lediglich eine eigene Fernbedienung wie man sie vom Fernseher kennt oder gar nur einen Knopf am Gerät für das Ein- und Ausschalten.

Saugroboter navigieren sich mit unterschiedlichen Methoden durch die Wohnung. Günstigere Produkte verfügen über eine Zufalls- oder Chaos-Strategie. Sie saugen wild drauf los und irgendwann werden sie schon jede Stelle sauber gemacht haben. Nachteil dieser Methode ist, dass sie einerseits sehr zeit- und damit auch Akku-intensiv ist. Anderseits finden Roboter aus verwinkelten Ecken teilweise nicht mehr raus.

Verlässlicher sind Modelle, die über eine Lasernavigation verfügen. Sie fertigen eine virtuelle Karte an, ermitteln ihren Standort und wissen so immer genau, wo sie bereits geputzt haben. Den stolzen Besitzern wird zudem meist die erstelle Karte in der App angezeigt und sie können No Go Areas definieren. Beispielsweise die Spielecke der Kinder, wo oft Bauklötze rumliegen oder die Ecke, wo normalerweise das Haustier liegt.

Weniger verbreitet sind in Deutschland Modelle, die sich mittels eingebauter Kameras orientieren. Ein netter Nebeneffekt ist zwar, dass man ohne sich zu bücken sehen kann, was unter der Couch so alles rumliegt und sein Haustier auch während der eigenen Abwesenheit beobachten kann. Mit einem kleinen Spion, der rund um die Uhr die eigenen vier Wände filmt, können sich aber jedoch viele noch nicht anfreunden.

Hilfe auch im Außenbereich

Im Privathaushalt noch wenig verbreitet und eher in der Industrie anzutreffen sind Fensterreinigungsroboter. Diese können sich durch Unterdruck an Scheiben und anderen glatten Flächen wie beispielsweise Spiegel oder Fließen festsaugen. Je nach Modell ist ein Mikrofasertuch bereits im Gerät integriert, das automatisch vom Roboter benetzt wird. Bei vielen Modellen muss das Mikrofasertuch jedoch vor der Benutzung vom Menschen mit Reinigungsmittel versehen und am Roboter manuell angebracht werden.

Weil das Putzen und vor allem Festhalten an senkrechten Flächen um einiges Energieintensiver ist, müssen Fensterreinigungsroboter meist per Kabel direkt an der Steckdose angeschlossen werden. Für den Privatgebrauch gibt es Modelle ab 200 Euro, auch hier gibt es aber teurere Produkte zwischen 300 und 700 Euro. Die meisten Modelle können jedoch noch nicht mit der Reinigungsleistung eines erfahrenen Fensterputzers mithalten.

Auch im Außenbereich fallen regelmäßig Arbeiten an, auf die man gerne verzichten würde. Glückliche Gartenbesitzer kennen das Problem mit dem Rasenmähen. Für ein gepflegtes Grün sollte eigentlich regelmäßig gemäht werden. Mähroboter nehmen einem diese Arbeit ab, indem sie täglich über den Rasen fahren und wenige Millimeter der Grashalme wegschneiden. Diese fallen als Mulch zu Boden, nicht mal ein Leeren von Auffangbehältern ist also notwendig. Zudem beugt der regelmäßige Mulch der Unkrautbildung vor.

Auch Poolbesitzer können sich von Robotern das Leben erleichtern lassen.  Wer einen Pool hat, der weiß: es gibt nicht nur die entspannten Stunden im oder am Becken. Zur Realität gehört auch regelmäßiges Wasser abpumpen, Algen entfernen und händisches Einsammeln von Blättern, Insekten oder anderem Treibgut. Helfen kann da ein Poolroboter: er fährt am Boden, den Wänden und sogar der Wasserlinie entlang und entfernt Verschmutzungen.

Smart Home: Intelligente Vernetzung unserer Alltagsgegenstände

Zuhause werden uns in Zukunft aber nicht nur Roboter unterstützen. Auch immer mehr unserer Alltagsgeräte sind intelligent vernetzt und können zentral per Smartphone oder Sprachbefehl gesteuert werden. An einem kalten Tag will man sichergehen, dass man am Abend in die wohlig warme Wohnung kommt? Kein Problem – man dreht einfach die Heizung aus der Ferne schon einmal zwei Grad hoch. Man ist mit der Tiefkühlpizza in der Tasche auf dem Nachhauseweg und hat richtig Kohldampf? Ganz einfach dem Backofen schon einmal den Befehl geben, er soll vorheizen.

Künftig können alle Elemente in unserer Wohnung in diesem Smart Home integriert werden. Das Licht kann bequem von der Couch aus gemäß vordefinierten Kategorien angepasst werden. Der Kaffee kann noch vom Bett aus – sofern denn eine Tasse unter der Maschine in der Küche steht – in Auftrag gegeben werden. Auch Sicherheitssysteme wie Rauch- oder Bewegungsmelder können falls nötig Meldungen direkt auf den Smartphone-Bildschirm schicken.

Auf dem Markt gibt es bereits zahlreiche solcher Smart Home-Lösungen, beispielsweise von Apple, Samsung oder der Telekom. Alle damit kompatiblen Geräte können darin integriert werden, von der smarten Glühbirne über die Gegensprechanlage an der Tür bis hin zum Staubsaugroboter.

Die Preise für Haushaltsroboter und Smart -Home-Geräte sind im Sinkflug. Und die grundsätzliche Roboter-Akzeptanz in der Bevölkerung wächst. Die kleinen Helfer werden darum über kurz oder lang die Haushalte erobern. Schon bald werden sie wohl zur Standardausrüstung gehören und nicht mehr nur ein nettes Gadget sein.

Warum Haushaltsroboter und smarte Alltagsgegenstände auch für Unternehmen interessant sind:

  1. Haushaltsroboter können in Gemeinschaftsräumen wie dem Pausenraum für Sauberkeit sorgen. Streitigkeiten um Putzpläne werden so vermieden.
  2. Mit intelligenten Bürogeräten haben Sie stets im Griff, wo Handeln nötig ist. Braucht der Drucker Tinte? Das intelligente Gerät schickt Ihnen eine Nachricht oder bestellt sogar gleich selbstständig Nachschub.
  3. Niemand ist im Büro? Für die Nacht oder während Betriebsferien können sie einfach aus der Ferne die Heizung oder Belichtung anpassen und Energie sparen.

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Dominic Hauser

Dominic Hauser ist Redakteur bei fintechcube. Davor war er in Bern als politischer Redakteur tätig und beschäftigte sich nach seinem Umzug nach Berlin mit der Digitalisierung des Public Sectors.