Kurz gefasst: KI und Location Based Services in 3 Minuten

Next Big Think Aug. 26, 2020

Sie kennen es bestimmt auch: Gestern haben Sie online nach einem neuen Fahrrad gesucht – heute werden Sie richtiggehend mit Fahrrad-Werbung bombardiert. Dass unser Online-Verhalten Einfluss darauf hat, welche Inhalte uns angezeigt werden – daran haben wir uns gewöhnt. Doch wie würden Sie reagieren, wenn Sie beim Vorbeigehen an einem Fahrradladen durch eine Push-Nachricht auf Ihrem Handy daran erinnert werden, dass Sie doch ein Fahrrad suchen? Solche „Location Based Services“ werden immer häufiger. Und dank künstlicher Intelligenz auch immer besser.

Was sind Location Based Services?

Location Based Services sind Dienstleistungen, die uns aufgrund unseres aktuellen Standorts angeboten werden. Wir können sie einerseits selbst anfordern, indem wir beispielsweise Restaurant-Empfehlungen in der Nähe anzeigen lassen. Anderseits sind sie auch ohne unser Zutun möglich. Sind wir beispielsweise in der Nähe eines Kleiderladens, können Rabattcodes für ebendiesen direkt auf unser Smartphone geschickt werden.

Für die erforderliche Standortermittlung dient meist der GPS-Tracker in unserem Smartphone. Das Betriebssystem und die installierten Apps tracken - sofern wir es ihnen nicht untersagt haben - ständig unseren Standort. Erreichen wir einen bestimmten Ort, so wird uns per Push eine Nachricht geschickt. Location Based Services sind aber auch über Bluetooth möglich. Sogenannte Beacons in Läden empfangen Bluetooth-Signale von den Smartphones der Kunden. Das Besucherverhalten und ihr Weg durch den Laden kann so nachvollzogen werden. Die Beacons können aber auch per Bluetooth Nachrichten an die Smartphones schicken.

Wo kommt künstliche Intelligenz ins Spiel?

Durch den Einsatz von künstlicher Intelligenz (KI) und maschinellem Lernen können Location Based Services präziser und personalisierter gestaltet werden. Die KI erstellt anhand unseres Standortverlaufs ein persönliches Bewegungsprofil und verknüpft dieses mit weiteren verfügbaren Daten. Können Sie sich an Ihre Online-Fahrradsuche erinnern? Schauen Sie mal in Ihre Karten-App: Möglicherweise werden Ihnen Fahrradläden hervorgehoben angezeigt. Oder besuchen Sie öfter italienische Restaurants? Vielleicht schlägt Ihnen Ihr Smartphone schon bald einen neuen Italiener in der Nachbarschaft vor.

Location Based Services hängen aber oft nicht alleine von unserem persönlichen Bewegungsprofil ab. Unser Bewegungsprofil kann mit jenem von tausenden anderen Nutzern aggregiert werden. In dieser Aggregation erkennt die KI allgemeine Verhaltensmuster. Bewegen sich beispielsweise mehrere Nutzer auf einem Straßenabschnitt nicht oder nur stockend, so erkennt die KI den Stau noch bevor dieser gemeldet wurde. Hätte Sie Ihr Navigationsgerät ursprünglich eigentlich auch durch diese Straße geführt, so schlägt es Ihnen nun schnell eine andere Route ohne Stau vor.

Führend in solchen Dienstleistungen ist Google. Dies aus einem einfachen Grund: Google verfügt über riesige Mengen an Daten von Android- sowie anderen Google-Diensten-Nutzern. Google Maps zeigt uns unter anderem an, wie stark Museen, Restaurants und andere öffentliche Plätze zu verschiedenen Tageszeiten besucht sind und wie lange Besucher sich dort durchschnittlich aufhalten. Die App zeigt uns auch, wie schwer es ist, an unserem Zielort einen Parkplatz zu finden oder wie voll die U-Bahn sein wird. Alle diese Funktionen basieren auf den Bewegungsdaten von unzähligen Nutzern, die von der künstlichen Intelligenz ausgewertet und analysiert werden.

Ausblick

Unsere Standortdaten verraten extrem viel über uns. Je umfassender erhoben und je mehr mit anderen Daten verknüpft, desto exakter werden die Location Based Services. Google unterfüttert all seine Dienste, falls verfügbar, mit Standortdaten. Suchresultate können dadurch ortsabhängig angezeigt werden.

Gut möglich, dass uns Werbung in Zukunft nur noch personalisiert angezeigt wird. Im Internet kennen wir das bereits: Auf Internetseiten und sozialen Netzwerken werden uns Anzeigen präsentiert, die unserem Verhalten entsprechen. Aber auch reale Werbebildschirme könnten für uns relevante Werbung anzeigen, sobald wir in ihre Nähe kommen. Oder der Routenplaner navigiert Sie an einem Fahrradladen vorbei, da sie ja kürzlich nach einem neuen Fahrrad gesucht haben.

Haben Unternehmen Zugriff auf umfassende Bewegungsprofile, können sie ihr Geschäftsmodell optimieren. In welchen Stadtteilen verkehren welche Altersgruppen? In welchen Straßen werden welche Produkte häufig konsumiert? Anhand genauer Bewegungsmuster können Unternehmen ihre Standort- und Marketingstrategie präzise planen und den Konsumenten exakte Location Based Services anbieten.

So praktisch viele Anwendungen und Location Based Services für uns auch sind – wir sollten nie vergessen, dass unsere persönlichen Daten höchst sensibel sind und viel über uns verraten. Google-Gründer Larry Page mag zwar recht haben:

We use a lot of data in order to offer better services.

Doch auch die Präambel der Europäischen Datenschutzgrundverordnung (DSGVO) sollten wir nicht vergessen:

Der Schutz natürlicher Personen bei der Verarbeitung personenbezogener Daten ist ein Grundrecht.

Drei Tipps für Location Based Services in Ihrem Unternehmen:

  1. Mit Location Based Services können Sie immer mehr Kunden erreichen und die Kundenbindung erhöhen. Prüfen Sie daher gut, ob es auch in Ihrem Unternehmen Potenzial dafür gibt.
  2. Prüfen Sie unbedingt, ob Ihre Daten bei großen Dienstleistern wie Google vollständig sind. Beispielsweise Ihre Leistungen, Öffnungszeiten oder Kontaktdaten. Nur so können Sie auch von deren Location Based Services profitieren.
  3. Standortdaten sind personenbezogene Daten und fallen unter die DSGVO. Nutzen Sie entsprechende Dienste daher mit der erforderlichen Vorsicht.

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Dominic Hauser

Dominic Hauser ist Redakteur bei fintechcube. Davor war er in Bern als politischer Redakteur tätig und beschäftigte sich nach seinem Umzug nach Berlin mit der Digitalisierung des Public Sectors.