Kurz gefasst: Smart Contract in 3 Minuten

Next Big Think Dez. 16, 2020

Arbeitsvertrag, Mietvertrag, Handyvertrag, … Wir alle haben unzählige Verträge abgeschlossen. Zwar haben wir die Sicherheit, dass wir die Vertragseinhaltung notfalls juristisch einfordern können. Zu einem großen Teil verlassen wir uns aber auf unseren Vertragspartner. Wir wollen ja nicht wegen jeder Kleinigkeit gleich vor Gericht. Doch es kann schnell mal passieren, dass unser Gegenüber eine vereinbarte Zahlung vergisst oder eine Klausel plötzlich anders auslegt. Wären da automatisierte Verträge, die eine Abmachung nach vordefinierten Regeln automatisch umsetzen, nicht praktisch? Genau das und noch viel mehr ermöglichen Smart Contracts!

Was ist ein Smart Contract?

Ein Smart Contract ist ein digitaler Vertrag, der nach einer Wenn-Dann-Logik aufgebaut ist. Ein Vertragsbestandteil tritt bei einem vordefinierten Ereignis in Kraft, ohne dass sich die Vertragspartner oder eine zentrale Instanz um die Abwicklung kümmern müssen. Bei einem Hausverkauf kann beispielsweise die Grundbuchänderung automatisiert geschehen, sobald das Geld auf dem Konto vom Verkäufer eingegangen ist.

Smart Contracts basieren auf der Blockchain-Technologie, die ursprünglich für die Kryptowährung Bitcoin entwickelt wurde. Vereinfacht gesagt, ist die Blockchain eine kontinuierliche Liste von Daten. Sie ist nicht zentral bei einer Institution, sondern dezentral bei jedem Nutzer gespeichert. Da die einzelnen Datensätze aufeinander aufbauen und immer einen Bezug zueinander aufweisen müssen, ist eine Manipulation nicht möglich. Mehr über Idee und Funktionsweise der Blockchain-Technologie lesen Sie in unserem „Kurz gefasst“-Artikel.

Beim Smart Contract werden Codes in der Blockchain gespeichert. Es sind quasi kleine Computer-Programme, die automatisch ausgeführt werden, sobald die vordefinierte Bedingung erfüllt ist. Heute sind Smart Contracts meist bei Ethereum (ETH) implementiert. Ethereum beinhaltet, ähnlich wie Bitcoin, eine Blockchain-basierte Kryptowährung. Neben den Transaktionen können zusätzlich aber auch die Codes gespeichert werden.

Anwendungsgebiete von Smart Contracts

Smart Contracts können Prozesse vereinfachen, in denen heute eine zentrale Ordnungsinstanz notwendig ist. Bereits genannt wurde das Beispiel des Grundbucheintrags beim Hausverkauf. In Ghana werden Landkäufe bereits heute über Blockchain und ohne Notar abgewickelt. Auch weitere administrative Prozesse, beispielsweise Änderungen im Handelsregister oder Beglaubigungen, können mit Smart Contracts gestrafft werden.

Auf Basis eines Smart Contracts können Vermögenswerte digital miteinander gehandelt werden. Möglich macht es die Tokenisierung. Ein Token ist eine digitale Wertmarke, die beispielsweise eine Unternehmensaktie oder den Besitzanteil an einem Gebäude darstellt. Digitale Token und damit die Besitzrechte an einem bestimmten Gut können über die Blockchain-Infrastruktur gehandelt werden. Mehr über diese digitalen Assets und Tokenisierung lesen Sie nächste Woche in unserem „Kurz gefasst“-Artikel.

Auch Unternehmen können ihre Geschäftsmodelle in die Blockchain verlagern. Als erste Versicherung brachte 2017 AXA ein auf einem Smart Contract basiertes Angebot auf den Markt. Mit der Flugverspätungs-Versicherung „Fizzy“ wurde eine Zahlung ausgeführt, sobald die Flugverkehrsdatenbank eine Verspätung von über zwei Stunden meldete. Ein Schaden musste vom Versicherungsnehmer vorgängig nicht gemeldet werden. AXA hat das Angebot Ende 2019 jedoch vom Markt genommen, da es auf zu wenig Resonanz gestoßen sei.

Lieferketten können vollumfänglich in Smart Contracts abgebildet werden. Beteiligte Unternehmen schließen digital, manipulationssicher und in Echtzeit miteinander Vereinbarungen, ohne dass dafür eine zentrale Marktmacht als Vermittler notwendig ist. Konsumenten profitieren zudem von einer vollen Transparenz. Sie können Herkunft und Produktionsschritte eines gekauften Produktes komplett einsehen. Das Düsseldorfer Start-up Retraced bietet diese Möglichkeit beispielsweise für Käufer fairer Mode an.

In der Blockchain können Daten dezentral gespeichert und die Zugriffsrechte darauf über Smart Contracts geregelt werden. Das Unternehmen Medicalchain bietet beispielsweise die sichere Speicherung und Verwaltung von persönlichen Gesundheitsdaten. Der Patient kann selbst entscheiden, welcher Arzt wann und wie lange auf bestimmte Gesundheitsdaten Zugriff hat. Im Vereinigten Königreich nutzen bereits erste Kliniken den Dienst des Unternehmens.

Weitere Anwendungsmöglichkeiten finden Sie in unserem Überblicksartikel zum Einsatz der Blockchain in Wirtschaft und Gesellschaft, der nächste Woche erscheint.

Ausblick

Smart Contracts bieten unzählige Möglichkeiten – doch viele Fragen sind noch zu klären. So sind Rechtsgültigkeit und rechtliche Konsequenzen von Smart Contracts noch nicht abschließend geklärt. Was passiert beispielsweise bei einem Programmierungsfehler des Smart Contracts? Im Jahr 2018 konnte ein Nutzer auf vollkommen legale Art und Weise 50 Millionen US-Dollar auf sein Konto umleiten, weil er einen Fehler im Code gefunden hat. Dieses Problem zu lösen, war alles andere als trivial.

Noch stehen wir am Anfang einer technologischen Entwicklung. Doch eins ist klar: Blockchain, Smart Contracts und Tokenisierung werden kommen und viele Geschäftsmodelle von Grund auf ändern. Unternehmen sollten zwar nicht voreilig ihre Geschäftsmodelle umstellen, sich jedoch auf Veränderungen vorbereiten und das notwendige Know How aufbauen. Denn die Effizienzvorteile und Optimierungsmöglichkeiten der Zukunftstechnologie werden so groß sein, dass sie sich ziemlich sicher durchsetzen wird. Vielleicht nicht heute oder morgen – doch für übermorgen sollten Sie gewappnet sein!

Drei Vorteile von Smart Contracts für Ihr Unternehmen:

  1. Smart Contracts bieten Ihnen eine hohe Sicherheit: Sie basieren auf der Blockchain-Technologie und sind durch kryptografische Verschlüsselungsverfahren gesichert. Vertragsbedingungen können im Nachhinein nicht einseitig verändert werden.
  2. Smart Contracts machen Prozesse effizienter: Für die Umsetzung von Verträgen sind meist keine zentralen Akteure wie beispielsweise ein Notar notwendig.
  3. Smart Contracts sind verlässlich: Die Vertragsbedingungen sind in den Codes definiert und werden automatisiert ausgef

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Dominic Hauser

Dominic Hauser ist Redakteur bei fintechcube. Davor war er in Bern als politischer Redakteur tätig und beschäftigte sich nach seinem Umzug nach Berlin mit der Digitalisierung des Public Sectors.