Kurz gefasst: Drohnen in 3 Minuten

Next Big Think Juni 17, 2020

Woran denken Sie bei einer Drohne? An ein Insekt? An ein Spielzeug für Technik-Geeks? An alles Mögliche – aber Drohnen sind nichts, was ihr Leben auch nur ansatzweise tangieren könnte?

Da irren Sie sich! Denn schon bald gehören Drohnen zu unserem Alltag wie das Smartphone oder Auto. Drohnen ermöglichen uns nämlich nicht nur neue Perspektiven – sie haben das Potenzial, Produktionsprozesse, Logistikketten und Mobilitätsformen zu revolutionieren.

Was sind Drohnen?

Drohnen gibt es in ganz vielen Ausführungen: von der Spielzeugdrohne, die es bereits für kleines Geld im Supermarkt gibt, bis hin zu helikopterähnlichen „Multicoptern“ als Flugtaxis oder für den militärischen Gebrauch.

Egal ob groß oder klein – sie alle sind unbemannt, haben also keinen menschlichen Piloten mit an Bord. Gesteuert werden sie meist mit Hilfe einer Fernbedienung oder aus einer Steuerungszentrale heraus. Über eine Kamera sieht man jederzeit das Flugfeld und kann die Drohne so sicher und zielgenau durch die Luft navigieren.

Auf dem Vormarsch sind aber auch autonom fliegende Drohnen. Drohnen, die sich mithilfe künstlicher Intelligenz (KI) ihren Weg durch die Lüfte voll automatisch und ohne menschliche Hilfe bahnen. Die Technik ist dabei vergleichbar mit jener von autonomen Fahrzeugen: Mithilfe von Kameras und Sensoren nimmt die Drohne die Umgebung wahr, analysiert sie und passt ihr Flugverhalten an.

Damit Drohnen überhaupt fliegen können, ob ferngesteuert oder autonom, verfügen sie über mehrere kleine Rotoren. Mit deren Hilfe können sie abheben, navigieren und sich vor allem auch bei windigem Wetter in der Luft stabilisieren. Zentral ist dabei der Bordcomputer, der sogenannte Flugcontroller. Er steuert die Geschwindigkeiten jedes einzelnen Rotors und führt so das gewünschte Manöver herbei.

Anwendungsgebiete von Drohnen

Die Einsatzmöglichkeiten von Drohnen hängen von der an Bord verbauten Technik ab. Grundausstattung fast jeder Drohne ist eine Kamera. Doch immer mehr Drohnen verfügen daneben über leistungsstarke Computer. Je ausgereifter diese sind, desto spezifischer die Einsatzmöglichkeit.

Selbst klassische Drohnen mit einer normalen Kamera an Bord werden schon lange nicht mehr nur durch Hobbyfotografen oder Technikfreaks eingesetzt. Sie übernehmen auch wichtige Überwachungs- und Kontrollaufgaben. So lassen Landwirte vor dem Mähen eines Feldes eine Drohne über das Feld fliegen, um im hohen Gras versteckte Rehkitze zu finden. Während der Corona-Kontaktbeschränkungen griff unter anderen die nordrheinwestfälische Polizei auf Hilfe von oben zurück: Mit Drohnen kontrollierten die Beamten, ob sich an schwer einsehbaren Orten Menschenansammlungen bilden. Und Unternehmen wie die Deutsche Bahn oder Energiekonzerne nutzen Drohnen, um ihre Infrastruktur zu kontrollieren. Sie fliegen mit ihnen Brücken oder Windkraftanlagen auf der Suche nach potentiellen Schäden ab.

Dank künstlicher Intelligenz sind Drohnen aber nicht nur Augen am Himmel. Sie können ihre Wahrnehmungen direkt verarbeiten und analysieren. In der Landwirtschaft können Drohnen beispielsweise Felder auf Wasserbedarf, Schädlingsbefall oder den perfekten Erntezeitpunkt hin untersuchen. Durch die gesammelten Informationen können sie anschließend – heute oft noch mit einem menschlichen Entscheidungsschritt dazwischen – erforderliche Maßnahmen direkt ergreifen. Beispielsweise zielgenaues Versprühen von Schädlingsbekämpfungsmittel oder das Bewässern von Pflanzen.

Auf Baustellen können Drohnen ein Baufeld vor Baubeginn zentimetergenau vermessen und so die Bauplanung sowie die spätere Steuerung der Baumaschinen vereinfachen. Dies gilt insbesondere, wenn die Maschinen ebenfalls intelligent vernetzt sind. Ebenso werden Visualisierungen und die Dokumentation von Baufortschritten um einiges vereinfacht.

Drohnen finden ihren Einsatz auch in der Logistik. Amazon testet schon seit längerem die Paketauslieferung per Drohne, die US-Fastfoodkette "Dominos Pizza" einen eigenen Drohnen-Pizzalieferdienst. Und in Ghana und Ruanda fliegen Drohnen Medikamentenlieferungen in abgelegene Regionen.

Aber nicht nur der Gütertransport - auch den Personentransport können Drohnen revolutionieren. Denn Flugtaxis sind an sich nichts anderes als große Drohnen, die Platz für einen oder mehrere Passagiere haben. Sie klingen zwar noch nach Science-Fiction, werden aber sowohl im fernen Dubai als auch in Stuttgart bereits getestet.

Technisch sehr weit entwickelt sind militärisch genutzte Drohnensysteme. Die großen Armeen dieser Welt verfügen über ausgefeilte Waffensysteme, mit denen bereits heute unbemannte Angriffe per Luft möglich sind. Ethisch ist dies zwar ein heikles Thema - doch von den Forschungsmilliarden, die in diesem Sektor investiert werden, profitieren auch zivile Einsatzmöglichkeiten.

Ausblick

Dem Einsatz von Drohnen sind grundsätzlich keine Grenzen gesetzt. Durch immer bessere Hardware und Entwicklung künstlicher Intelligenz können Drohnen immer mehr Aufgaben übernehmen.

In den nächsten Jahren wird die regulatorische Begleitung dieser Entwicklungen zentral sein. Der grundsätzliche Gebrauch von Drohnen in Deutschland ist zwar seit 2017 in der Drohnenverordnung geregelt – die vom Verkehrsministerium anschaulich auch als Illustration dargestellt wurde. Ebenso hat die EU eine europaweite Drohnenregulierung angekündigt, deren Publikation wegen Corona jedoch verschoben wurde. Dennoch ist die Rechtslage bezüglich aktueller und vor allem zukünftiger Entwicklungen oft noch unklar.

Nicht außer Acht gelassen werden dürfen grundlegende Fragen bezüglich Datenschutz oder Privatsphäre. Wie gehe ich damit um, dass mich die Polizei oder mein Nachbar jederzeit aus der Vogelperspektive beobachten kann? Was passiert mit den von Drohnen gesammelten Aufnahmen und Daten? Wie dürfen diese von Unternehmen weiterverarbeitet werden? Fragen, die trotz berechtigter Drohnen-Euphorie stets mitgedacht werden sollten.

Gerade im Zusammenhang mit dem militärischen Einsatz von Drohnen stellen sich auch ethische Fragen. Bereits mit heutigen Systemen können Menschenleben per Knopfdruck ausgelöscht werden. Mit fortschreitender Technik ist theoretisch auch eine gezielte Tötung nach Geschlecht oder ethnischen Merkmalen möglich.

Trotz all dieser wichtigen Fragen – schon bald werden Drohnen bei unzähligen Aufgaben im Alltag nicht mehr wegzudenken sein. Und uns vor allem helfen. Oder wie Bill Gates bereits vor sieben Jahren sagte:

Drones overall will be more impactful than I think people recognize, in positive ways to help society.

Dominic Hauser

Dominic Hauser ist Redakteur bei fintechcube. Davor war er in Bern als politischer Redakteur tätig und beschäftigte sich nach seinem Umzug nach Berlin mit der Digitalisierung des Public Sectors.