Kurz gefasst: Robotik in 3 Minuten

Next Big Think Nov. 11, 2020

„Nicht schon wieder Staubsaugen…“, denken Sie sich. Sie haben überhaupt keine Lust, von der Couch aufzustehen und wollen lieber einen ruhigen Nachmittag verbringen, statt dieses laute Gerät durch die Wohnung zu schieben. Aber schon in wenigen Stunden kommen Gäste zu Besuch, bis dann sollte die Wohnung einigermaßen ordentlich aussehen. Beim selbstmitleidigen Blick nach draußen fällt Ihnen auf: Auch die Fenster könnten mal wieder eine Reinigung vertragen.

Wäre es nicht schön, wenn das alles Maschinen für Sie erledigen? Davon träumt die Menschheit schon lange: Roboter, die uns rundum bedienen. Mit solchen Service-Robotern und vielen weiteren Themen beschäftigt sich die Robotik!

Was ist Robotik?

Die Robotik, oder Robotertechnik, ist ein Teilbereich der Ingenieur- und Naturwissenschaften, der Ansätze aus dem Maschinenbau, der Elektrotechnik und der Informatik vereint. Sie beschäftigt sich mit dem Entwurf, der Konstruktion, dem Betrieb und der Nutzung von Robotern sowie mit den Computersystemen für deren Steuerung. Roboter sind Maschinen, die menschliche Handlungen nachbilden sollen und dafür auf Basis von Sensoren, mechanischen Aktoren und Informationsverarbeitung mit der physischen Welt interagieren.

Bei dem ersten Aufkommen von Robotern in den 60ern lag der Fokus der Robotik vor allem auf der technischen Funktionsweise. Wie kann man Maschinen bauen, die klar definierte Abläufe automatisch erledigen? Heute befasst man sich vor allem mit der Sensortechnik und dem Einsatz von künstlicher Intelligenz (KI). Durch den Einsatz solcher Zukunftstechnologien können Roboter nicht mehr nur standardisierte Prozesse übernehmen, sondern intelligent mit der physischen Umwelt interagieren und spontan auf unvorhergesehenes reagieren.

Arten von Robotern

Roboter ist nicht gleich Roboter: Verschiedene Arten von Robotern sind für unterschiedliche Einsatzzwecke vorgesehen.

Die ersten einsatzfähigen Roboter waren sogenannte Industrieroboter: Industrieroboter sind programmierbare Maschinen, die zur Handhabung, Montage oder Bearbeitung von Werkstücken eingesetzt werden. Sie bestehen meist aus einem Roboterarm, einem Greifer sowie diversen Sensoren und einer Steuerungseinheit. Sie werden eingesetzt, um die repetitiven Aufgaben menschlicher Mitarbeitern automatisiert zu erledigen. Klassisch finden sie ihren Einsatz im Produktionsumfeld, beispielsweise am Fließband von Automobilherstellern.

Immer wichtiger werden kollaborative Roboter, auch Cobots genannt. Anders als Industrieroboter agieren sie nicht mehr unabhängig vom Menschen hinter einer Schutzeinrichtung, sondern unterstützen menschliche Kollegen bei der Arbeit. Sie ersetzen keine Arbeitsplätze, sondern ergänzen diese. Weitverbreitet sind autonome Lagertransportsysteme: Fahrerlose Transportroboter fahren benötigte Materialien und Produkte selbstständig zwischen den Mitarbeitern und Lagerhallen hin und her.

Zudem gibt es Service-Roboter, die Dienstleistungen für den Menschen erbringen. Im Privatbereich sind beispielsweise Staubsaug- oder Rasenmähroboter weit verbreitet. Auch im professionellen Umfeld gibt es bereits unterschiedliche Beispiele. In einzelnen japanischen Pflegeheimen hebt seit 2015 „Robbear“ Patienten vom Bett in den Rollstuhl. Am Flughafen München weist „Josie Pepper“ Passagieren den Weg zum richtigen Gate oder beantwortet Fragen zu Abflugzeiten. In modernen Operationssälen hält der Chirurg bei komplizierten Eingriffen das Operationsbesteck nicht selbst in der Hand, sondern steuert einen Roboter.

Gerade Service-Roboter sind oft sogenannte humanoide Roboter. Bei diesen sind Bewegungsabläufe und Konstruktion von der menschlichen Anatomie inspiriert. Oft verfügen sie beispielsweise über ein Gesicht und bewegen sich aufrecht. Dadurch sollen sie nicht nur menschliche Tätigkeiten übernehmen, sondern auch optisch an einen Menschen erinnern.

Ausblick

Der Einsatz von Robotern nimmt stetig zu. Kamen 2015 weltweit noch 66 Robotereinheiten auf 10.000 Mitarbeiter, so sind es bereits jetzt 74. Die Unternehmensberatung Boston Consulting geht davon aus, dass der Einsatz von Robotern die Produktivität pro Mitarbeiter um bis zu 30 Prozent steigern wird.

Roboter kommen schon lange nicht mehr nur bei standardisierten Produktionsprozessen wie beispielsweise in der Automobilbranche zum Einsatz. Denn dank dem Einsatz von künstlicher Intelligenz können sie nicht mehr nur menschliche Abläufe imitieren, sondern auch selbstständig Aufgaben erkennen, diese auf Menschen-ähnliche Art und Weise lösen und autonom Entscheidungen treffen.

Es ist daher wichtig, dass sich die Robotik nicht nur mit technischen Komponenten befasst, sondern eng mit der Psychologie, Soziologie und Philosophie zusammenarbeitet. Dadurch werden nicht nur laufend bessere Roboter möglich, sondern auch die Nutzerakzeptanz wird erhöht.

Drei Punkte, die Sie über Robotik wissen sollten:

  1. Die Robotik ist ein interdisziplinäres Gebiet und umfasst Aspekte des Maschinenbaus, der Elektrotechnik und der Informatik. Zudem ist ein Austausch mit der Psychologie, Soziologie und Philosophie wichtig.
  2. Roboter ersetzen nicht zwingend Arbeitsplätze. Sie können menschliche Mitarbeiter unterstützen und ihre Produktivität steigern.
  3. Durch den Einsatz von künstlicher Intelligenz sind Roboter nicht nur in der Lage, menschliche Abläufe zu imitieren, sondern auch selbst Entscheidungen.

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Dominic Hauser

Dominic Hauser ist Redakteur bei fintechcube. Davor war er in Bern als politischer Redakteur tätig und beschäftigte sich nach seinem Umzug nach Berlin mit der Digitalisierung des Public Sectors.