Kurz gefasst - Tokenisierung in 3 Minuten

Next Big Think Dez. 22, 2020

Haben Sie sich schon einmal gefragt, wieso Sie ohne Problem ein fünfminütiges Video per WhatsApp verschicken können, nicht aber fünf Euro? Klar, dank E-Banking und Bezahldienstleistern wie PayPal oder Klarna können wir unsere Schulden per Smartphone begleichen. Doch digital veranlassen wir eigentlich nur den Auftrag zur Überweisung. Dahinter steht jedes Mal ein Unternehmen, das die Transaktion auch tatsächlich ausführt. Die Tokenisierung könnte das aber ändern. Denn sie ermöglicht nicht weniger als die Digitalisierung unseres Vermögens und stellt damit die logische Weiterentwicklung des Internets dar.

Was ist die Tokenisierung?

Die Tokenisierung ermöglicht die digitale Abbildung von realen Vermögenswerten. Besitzt man einen digitalen Token, so besitzt man einen bestimmten Gegenwert. Beispielsweise eine Aktie eines Unternehmens, einen Anteil an einer Produktionsmaschine oder ein ganzes Haus.

Die Logik hinter der Tokenisierung ist nichts neues. In unserem Wirtschaftssystem ist es normal, dass wir Anteilsscheine an Vermögenswerten besitzen, beispielsweise in Form von Aktien oder Wertpapieren. Neu bei der Tokenisierung ist jedoch, dass Vermögenswerte vollkommen digital im Internet gehandelt werden können. Bisher kann man im Internet nur Daten austauschen. Mit der Tokenisierung ist nun auch der Austausch realer Werte möglich.

Gehandelt werden die digitalen Token über eine Blockchain. Rechte und Pflichten, die sich aus dem Besitz eines Tokens ergeben, werden über Smart Contracts geregelt. Die Blockchain-Technologie und Smart Contracts ermöglichen die dezentrale, transparente und manipulationssichere Speicherung von Transaktionen und anderen Datensätzen. Mehr darüber erfahren Sie in unseren Artikeln „Kurz gefasst: Blockchain in 3 Minuten“ und „Kurz gefasst: Smart Contract in 3 Minuten“.

Anwendungsgebiete von Tokenisierung

Der Tokenisierung sind grundsätzlich keine Grenzen gesetzt. All unsere Vermögenswerte können digitalisiert werden: Unternehmen geben beispielsweise ihre Aktien digital heraus, bestehende Wertpapiere werden digitalisiert. Da durch die Tokenisierung aber Transaktionskosten sinken, grenzüberschreitender Handel vereinfacht wird und für die Koordination und Verwaltung keine zentrale Instanz notwendig ist, ist der Zugang sehr leicht. Lösungen, deren praktische Umsetzung bisher zu kompliziert war, werden für eine breite Zielgruppe zugänglich.

Unternehmen können durch Tokenisierung unkompliziert Geld für Investitionen auftreiben. Das Lieblingscafé in Ihrer Straße kann sich den Kauf einer neuen Espressomaschine beispielsweise durch die Herausgabe von Token finanzieren. Neben dem täglichen Latte Macchiato können Sie nun auch einen Token und damit einen Besitzanteil an der neuen Espressomaschine kaufen. Das Café hat so genügend Geld für eine neue Maschine und sie erhalten beispielsweise einen Anteil am durch die Maschine erwirtschafteten Ertrag.

Tokenisierung ermöglicht Investitionen in Asset-Klassen, die bisher nur kompliziert möglich gewesen wären. Beim Unternehmen Bitcar aus Singapur kann man beispielsweise mit dem Kauf von Token in einen Portfoliomix aus Oldtimern investieren. Oldtimer gehören zu den Asset-Klassen mit der größten Wertentwicklung. Anleger können nun in diese lukrativen Objekte investieren, ohne selbst ein Fahrzeug in der Garage stehen zu haben.

Die Tokenisierung ist in diesem Fall aber nicht nur für Anleger attraktiv - auch die Besitzer von Sachvermögen profitieren. Braucht der Besitzer einer Oldtimer-Sammlung beispielsweise kurzfristig liquide Mittel, kann er diese durch die Tokenisierung seiner Lieblingsstücke auftreiben. Das Sachvermögen wird also in Geld umgewandelt, ohne dass es komplett verkauft werden muss. Denkbar ist dies beispielsweise auch für Besitzer von wertvollen Kunstwerken oder Immobilien.

Ausblick

Noch sind viele Fragen zu klären, insbesondere bezüglich rechtlicher und praktischer Bedeutung von Token. Wie werden sie besteuert? Unter welches Recht fallen sie? Oder wie setze ich meine Ansprüche aus dem Besitz eines Tokens rechtlich durch?

Zuständige Stellen arbeiten fleißig an der Beantwortung dieser Fragen. Der Begriff “Blockchain” taucht im Koalitionsvertrag 2018 zwischen CDU und SPD sagenhafte sechs Mal auf, die Bundesregierung hat eine eigene Blockchain-Strategie mit konkreten Maßnahmen erarbeitet und die BaFin klassifiziert Token seit kurzem gar als Wertpapier eigener Gattung. Zwar könnte man sich wie so oft bei Digitalisierungsthemen von der deutschen Politik und Verwaltung etwas mehr Tempo wünschen. Doch zumindest ist auch ihnen klar: Die Token-Ökonomie wird die Zukunft sein.

Vorteile von Tokenisierung für Sie und Ihr Unternehmen:

  1. Mehr Liquidität: Durch die Tokenisierung können Sachvermögen kurzfristig in liquide Mittel umgewandelt werden.
  2. Schnellere und günstigere Transaktionen: Da Token digital und ohne zentrale Instanz gehandelt werden, fallen administrative Prozesse und die daraus entstehenden Kosten weg.
  3. Mehr Transparenz: Die Blockchain-Technologie bietet Ihnen volle Transparenz bei gleichzeitiger Manipulationssicherheit
  4. Leichterer Zugang: Durch Tokenisierung wird der Handel für ein größeres Publikum und vor allem auch über Grenzen hinweg unkompliziert möglich.

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Dominic Hauser

Dominic Hauser ist Redakteur bei fintechcube. Davor war er in Bern als politischer Redakteur tätig und beschäftigte sich nach seinem Umzug nach Berlin mit der Digitalisierung des Public Sectors.