Im Porträt: Nvidia CEO Jensen Huang

Next Big Think Mai 01, 2020

Das Superhirn hinter der künstlichen Intelligenz

Wie sieht die Welt von morgen aus? Wir werden in selbstfahrenden Autos unterwegs sein und selbststeuernde Drohnen werden Pakete an uns ausliefern, die wir zuvor online bestellt haben. Mit künstlicher Intelligenz werden uns diese Roboterautos sicher ans Ziel bringen und die unbemannten Drohnen sicher navigieren können. Dafür müssen in Echtzeit Milliarden von Daten aus unterschiedlichen Quellen (zum Beispiel Sensoren, Außenkameras) verarbeitet werden. Überall werden Hochleistungsprozessoren mit enormer Rechenkapazität im Einsatz sein, um diese Aufgaben zu bewältigen. Einer der wichtigsten Zulieferer für diese Zukunftstrends ist der US-amerikanische Chiphersteller Nvidia.

Der Gründer

Nvidia wurde 1993 in Santa Clara (Kalifornien) von Jen-Hsun „Jensen“ Huang und zwei Co-Foundern gegründet und wird seit der Gründung von Jensen Huang als CEO geleitet.

Huang wurde 1963 in Taiwan geboren und emigrierte als Kind mit seinen Eltern in die USA, wo er 1992 seinen Master-Abschluss in Elektrotechnik von der Stanford Universität erhielt. Bevor er an seinem 30. Geburtstag Nvidia mitgründete, arbeitete Jensen Huang kurz bei LSI Logic und als Mikroprozessor-Designer bei Advanced Micro Devices (AMD).

Auch wenn Nvidia sich ursprünglich auf die Herstellung von Grafikprozessoren (GPU) und Grafikkarten für hochauflösende Computerspiele konzentrierte, erkannte Jensen Huang früh das Potential von künstlicher Intelligenz.

Die Anfänge

In den Anfangsjahren hatte Nvidia noch mit Kompatibilitätsproblemen seiner Grafikprozessoren zu kämpfen und konnte sich nicht auf Anhieb am Markt durchsetzen. So musste Jensen Huang mit der ersten GPU, die Nvidia 1995 herausbrachte, einen schmerzlichen Misserfolg verkraften. Der unter dem Namen NV1 vermarktete Prozessor konnte sich nicht gegen die Produkte des damals größten Konkurrenten 3dfx durchsetzen, der mit seinen Voodoo Grafikkarten den Gaming-Markt beherrschte.

Der Aufstieg

Den Durchbruch brachte schließlich die Serie der Riva-Grafikchips, die 1998 auf den Markt kam. Sie begründete den Erfolg von Nvidia und ermöglichte es Jensen Huang, im Dezember 2000 seinen bis dahin größten Konkurrenten 3dfx zum Preis von etwa 120 Millionen US Dollar zu übernehmen.

Nvidia hat inzwischen nicht nur eine dominierende Stellung im Bereich GPU-basierter Hardware, deren starke Leistung dazu geführt hat, dass die Prozessoren auch für andere Anwendungen eingesetzt werden. Darüber hinaus konnte Jensen Huang seine Vision verwirklichen, Nvidia mit seinen cloudbasierten Lösungen im Bereich künstliche Intelligenz und autonomes Fahren zu etablieren. Im Bereich Automobile hat Nvidia zahlreiche Kooperationen mit Herstellern wie zum Beispiel VW, Toyota und General Motors geschlossen, um sich als Plattformanbieter für intelligente Fahrassistenzsysteme der Zukunft zu etablieren. In der Nvidia GPU-Cloud können Entwickler und Unternehmen ihre KI-Anwendungen trainieren. Auch der Fahrzeugvermieter Uber will eine autonome Fahrzeugflotte mit Hilfe von Nvidia-Technologie aufbauen.

Neben der eigenen Software- und Hardwareplattform für Roboterautos hat Nvidia weitere künstliche Intelligenz Plattformen in unterschiedlichen Bereichen auf den Markt gebracht:

  • So arbeiten zum Beispiel die chinesischen Internetfirmen Alibaba und Baidu mit der KI-Plattform von Nvidia, um ihren Kunden passende Produkte beim Online-Shopping vorzuschlagen.
  • Im Bereich der Medizintechnik hat Nvidia Lösungen entwickelt, die für die Entwicklung besserer Medikamente gegen Krebs oder für aufwändige Genom-Analysen genutzt werden können. Anwendungen ergeben sich zum Beispiel auch in der medizinischen Bildgebung. Hier kooperiert Nvidia unter anderem mit der Healthcare-Sparte von General Electric, die als einer der führenden internationalen Anbieter von Röntgengeräten, Computertomographen und Ultraschall-Geräten die Nividia Technologie in ihre weltweit mehr als 500.000 installierten Geräte integrieren möchte. Ziel ist es, neue Möglichkeiten in der Diagnostik zu eröffnen.
  • Darüber hinaus arbeitet Nvidia auch an fortgeschrittenen Anwendungen der künstlichen Intelligenz zum Verständnis von Sprache. Jensen Huang verfolgt das Ziel, dass Menschen einfach mit Computern sprechen können, wenn sie etwas benötigen.

Auch im Gaming Bereich wandelt sich Nvidia immer mehr vom reinen Hardware- zum Software-Anbieter und hat mit GeForce NOW einen Cloud Gaming-Dienst gestartet. Spieler können mit einfachen Desktop-Rechnern hochauflösende Computerspiele und Grafikanwendungen nutzen. Nvidia betreibt inzwischen ganze Spielewelten in der Cloud, die das Potential haben, sich nach und nach immer stärker zu virtuellen Welten zu entwickeln.

Mit Nvidia hat Jensen Juang einen der wichtigsten Zulieferer für zahlreiche Zukunftstrends geschaffen. Seine Vision, Nvidia als führenden Plattformanbieter für künstliche Intelligenz zu etablieren, hat seinem Unternehmen und ihm einen enormen wirtschaftlichen Erfolg beschert und wird das Wachstum von Nvidia weiter beschleunigen.

Ein ungewöhnlicher CEO

Jensen Huang ist verheiratet, hat zwei Kinder und ist mit einem geschätzten Vermögen von 5,8 Milliarden US Dollar (Stand: Januar 2020) inzwischen einer der reichsten US-Amerikaner asiatischer Abstammung. Von Forschern der privaten Wirtschaftshochschule Insead wurde Jensen Huang im Jahr 2019 als bester CEO unter den Top Managern der Welt ausgezeichnet.

Daneben erscheint seine Vorliebe für öffentliche Auftritte in einer schwarzen Lederjacke wie ein kleines Detail. Ebenso wie die Tatsache, dass Jensen Huang sich das Nvidia Logo als Tattoo auf seinen Oberarm stechen ließ, als der Aktienkurs von Nvidia das erste Mal über die Grenze von 100 US Dollar stieg. Es zeigt allerdings, dass Jensen Huang tatsächlich ein ungewöhnlicher CEO ist – in jeder Hinsicht.

Zitat Jensen Huang:

Es gab niemals eine App oder Anwendung, die so viel Rechenleistung benötigte wie KI. KI dürfte nicht mehr und nicht weniger als die ultimative Herausforderung für die IT- und Prozessorentwicklung sein. In der nahen Zukunft wollen wir übermenschliche künstliche Intelligenz schaffen. Aber langfristig wollen wir dieses Ziel weit übertreffen. Sehr weit sogar!   Quelle: https://www.mobilegeeks.de/artikel/interview-jen-hsun-huang-nvidia-ceo-zukunft-ai/

Vielen Dank an facunda für die Datenbereitstellung.

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Gregor Puchalla

Gregor Puchalla ist Gründer und Geschäftsführer von fintechcube. Zukunftstrends sind seine Leidenschaft. Gregor hat 15 Jahre Erfahrung auf operativer und strategischer Ebene im Bereich Digitalisierung