Kurz gefasst: Virtual Reality in 3 Minuten

Next Big Think Juli 01, 2020

Sie sitzen im Flugzeug in 10.000 Metern Höhe - diesmal nicht in der Economy oder Business Class, sondern im Cockpit! Vor Ihnen Steuerknüppel, blinkende Kontrolllichter, Funkgeräte und Höhenmesser. Plötzlich werden Sie fast aus Ihrem Sitz geschleudert. Ihr Flugzeug ist in starke Turbulenzen geraten! Sie versuchen es zu stabilisieren, doch Sie verlieren die Kontrolle. Sie befinden sich im Sturzflug. Nichts, was Sie oder Ihr Co-Pilot versuchen, scheint Ihr Schicksal abwenden zu können. Es kommt zum Aufprall. Sie nehmen wütend ihr Headset ab. Sie sind nicht mehr im Cockpit und ihr Co-Pilot ist Ihr verärgerter Fluglehrer. Ihr Sturzflug war virtuell und Sie sind unversehrt: Virtual Reality (VR) macht es möglich!

Was ist Virtual Reality?

Virtual Reality ist eine durch Soft- und Hardware generierte, künstliche Welt. Der Nutzer erlebt aus der Ego-Perspektive eine virtuelle Umgebung mit bis zu 360°-Sicht. Das bedeutet, dass ein Großteil des natürlichen Sichtfelds im virtuellen Raum wahrgenommen werden kann. In Kombination mit dreidimensionaler Tiefenwirkung und Raumklang entsteht der Eindruck, sich in einer realen Umgebung aufzuhalten. Durch Hardware-Elemente wie VR-Brillen oder VR-Headsets wird die virtuelle Welt visuell zur primären Erfahrungsquelle. Jedes Auge bekommt ein eigenes Display und dadurch ein leicht differenziertes Bild, wodurch ein 3D-Effekt entsteht.

Je nach Ausrüstung kann man die virtuelle Welt nicht nur realistisch sehen, sondern auch hören und fühlen. Es gibt fortgeschrittenes Zubehör wie VR-Handschuhe, VR-Gürtel und Ganzkörperanzüge, die außerdem ein haptisches Feedback ermöglichen. So ist es bereits heute möglich, dass Spieler im virtuellen Raum von anderen Spielern berührt oder umarmt werden und dies über die Hardware spüren. So kann die Intensität des Eintauchens in die neue Umgebung immer weiter gesteigert werden. Dieser Erlebnisfaktor wird als Immersion bezeichnet.

Dafür ist, neben der möglichst realistischen Wahrnehmung, die Interaktion mit der virtuellen Welt entscheidend. Die Bewegungen des Nutzers werden über Sensoren registriert. VR-Headsets und -Brillen verfügen über Kopf- und teilweise auch Augensensoren. Über verschiedene Tracking-Methoden werden die Bewegungen in den virtuellen Raum übertragen.Wenn der Nutzer sich außerhalb des aufgezeichneten Trackingbereichs bewegt, werden durch künstliche Intelligenz Bewegungsvorhersagen errechnet. Die Übersetzung der Interaktion in die virtuelle Welt soll möglichst vollständig und in Echtzeit erfolgen, um eine hohe Immersion zu erzielen.

Abgrenzung von Augmented Reality

Neben VR tritt oft der Begriff Augmented Reality (AR) auf. Virtual Reality hat den Anspruch, dass der Nutzer die reale Umgebung nicht mehr wahrnimmt, sondern in eine neue Welt eintaucht. AR-Anwendungen hingegen ergänzen die existierende Welt mit weiteren Elementen. Augmented Reality arbeitet mit der vorhandenen Umgebung und versucht möglichst stimmig, virtuelle Bestandteile einfließen zu lassen. Das kann eine virtuelle Infobox sein, die neben dem Berliner Fernsehturm erscheint oder ein virtuelles Möbelstück in den eigenen vier Wänden. Außerdem stößt man auf den Begriff “Mixed Reality”. Dieser kann als Oberbegriff gesehen werden und beschreibt das Kontinuum zwischen künstlichen virtuellen Welten und der physisch realen Welt als Extrempunkten. Alles dazwischenliegende gilt als Überlappung von virtueller und physischer Welt. Augmented Reality ist eine Form von Mixed Reality. Da sich Virtual Reality ausschließlich im virtuellen Raum abspielt, stellt sie einen der Extrempunkte des Kontinuums dar.

Anwendungsbeispiele

Virtual Reality verbinden die meisten mit Gaming - eine faszinierende Spielerei, aber oft ohne praktischen Nutzen für ihren Alltag oder ihre Arbeit. Zwar hat die Unterhaltungsbranche in Sachen Virtual Reality klar die Nase vorn, aber auch andere Industriezweige haben den Wert der Technologie für sich erkannt.

Für das Marketing, insbesondere in der Produktpräsentation, bietet VR großartige Möglichkeiten. Man kann die Produkte nicht nur ansehen, sondern auf völlig neue Weise erleben. Virtual Reality wird beispielsweise bereits in Showrooms von Automobilherstellern eingesetzt. So kann man den neuen Audi Probe fahren, ohne dass ein Modell vor Ort ist. Auch in der Produktion kann VR angewendet werden. Anstelle von Arbeitsmodellen lassen sich Arbeitsschritte, Entwürfe und Einzelteile virtuell abbilden. Sie sparen Materialkosten, Transport und können gemeinsam im virtuellen Raum am Modell arbeiten.

Virtuelle Realität könnte die Form der Zusammenarbeit erweitern. Statt einer Videokonferenz sitzt man gemeinsam an einem virtuellen Tisch. Oder Sie besuchen eine Messe – ganz bequem von Ihrem Arbeitsplatz aus, ohne Anfahrtsweg, mit erheblich weniger Zeitaufwand.

Virtual Reality-Anwendungen haben großes Potenzial für den Gesundheitssektor. In der medizinischen Ausbildung können Studenten anhand von virtuellen Modellen die Anatomie des menschlichen Körpers lernen und für Operationen üben. Virtual Reality könnte psychiatrische Therapie-Methoden revolutionieren. Die Hochschule Heilbronn beschäftigt sich aktuell in einem Forschungsprojekt mit Virtual Reality Exposure Therapy. In virtuellen Welten können Therapeuten Angst- oder Trauma-Patienten mit ihren Phobien konfrontieren, wie es beispielsweise das Start-up Oxford VR tut.

In der Bildung und Ausbildung könnte die Technologie neue Maßstäbe setzen. Gefährliche oder sehr teure Unterfangen können in einer virtuellen Umgebung realistisch simuliert werden. Soldaten können auf Sondereinsätze vorbereitet werden, ohne dass Munition verbraucht oder ein großes Gelände benötigt wird. Sie können lernen, wie man ein Flugzeug bedient, ohne jemals in einem echten Cockpit gesessen zu haben.

Ausblick

Aus einem Bericht von Goldman Sachs geht hervor, dass der VR-Markt den TV-Markt bis zum Jahr 2025 überholen wird. Die Analysten sehen das größte Potenzial in den Bereichen Immobilien, Einzelhandel und Gesundheitswesen. Eine Bitkom-Studie aus dem Jahr 2018 schätzt, dass der Umsatz durch Virtual Reality- Hardware und -Software auf rund 19 Milliarden US-Dollar wachsen wird. Auch die großen Player haben den Wert von VR erkannt:  Facebook-Gründer Marc Zuckerberg will Milliarden von Menschen den Zugang zu Virtual Reality ermöglichen. Facebook hat im März mit demAlpha-Test der Social VR-App “Horizon” begonnen. Nutzer können in dem virtuellen Comic-Universum von Horizon eigene Welten bauen, spielen und Freunde treffen. Die Technologie soll das soziale Leben aber nicht verdrängen, sondern erweitern:

It’s not about escaping reality, it’s about making it better.

Marc Zuckerberg, Facebook-Gründer

Die Oculus-Headsets, mit denen die Nutzer in die bunte Welt von Horizon eintauchen können, sind ab circa 450 Euro erhältlich. VR-Hardware wird immer günstiger produziert, sodass die Technologie schon bald einer breiteren Masse zur Verfügung stehen wird. Noch in diesem Jahr soll Horizon an den Start gehen. Werden sich mit diesem Schritt soziale Netzwerke weiterentwickeln und bald zum Großteil in virtuellen Welten stattfinden?  Ist Virtual Reality The Next Big Thing?

Was bedeutet Virtual Reality für Ihr Unternehmen?

  • Große Player investieren in Virtual Reality
  • VR-Hardware immer günstiger produziert
  • Großartige Möglichkeiten der Produktpräsentation für erklärungsbedürftige Produkte mit VR
  • Einsatz von VR für Training und Weiterbildungen mit hohen Material- und Transportkosten

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Sarah Kolberg

Sarah Kolberg ist Redakteurin bei fintechcube und hat sich in ihrer bisherigen Laufbahn vor allem mit der digitalen Transformation im Public Sector beschäftigt.