Kurz gefasst: Virtuelles Lernen in 3 Minuten

Next Big Think Sep. 09, 2020

Haben Sie Kinder? Wie lief das mit dem digitalen Unterricht während den Corona-bedingten Schulschließungen? Vielleicht hatten Ihre Kinder Glück und ihre Schule war einigermaßen vorbereitet. Insgesamt hat er an vielen Orten aber mehr schlecht als recht funktioniert, Schülerinnen und Schüler müssen verpassten Schulstoff der letzten Monate nun nachholen. Auch eine gerade veröffentlichte OECD-Studie kommt zum Schluss: Das Bildungssystem in Deutschland ist sehr gut – nicht aber bezüglich digitaler Bildung. Doch digitales Lernen war eigentlich noch nie so einfach wie heute: Mit Augmented Reality (AR) und Virtual Reality (VR) wird eine völlig neue Form des Lernens möglich. Virtuelles Lernen kann nicht nur in Schulen eingesetzt werden, sondern in nahezu jedem Unternehmen. Vielleicht auch in Ihrem.

Was ist virtuelles Lernen?

Virtuelles Lernen ist das Erlernen sowie Trainieren von Wissen und Fähigkeiten im virtuellen Raum. Definiert man den virtuellen Raum weit, so gehört jede nicht real existierende Welt dazu, die mittels Computer betreten werden kann. Also auch Lernplattformen im Internet oder Webinare.

Eine engere Definition von virtuellem Raum beschränkt sich jedoch auf jene Welt, die mithilfe VR- oder AR-Technologie zugänglich wird. Virtuelles Lernen funktioniert also, indem wir mittels VR eine virtuelle Welt betreten oder indem unsere reale Umgebung mittels AR durch virtuelle Elemente ergänzt wird.

Virtuelles Lernen beschränkt sich nicht auf visuelle Eindrücke. Mittels Bewegungstracking oder haptischer Technologie können wir mit virtuellen Elementen interagieren und diese geben uns entsprechendes Feedback. Die Materie wird uns also nicht nur präsentiert, sondern wir können Abläufe und Tätigkeiten virtuell üben. Durch die immersive Darstellung wirken der virtuelle Raum und Tätigkeiten in diesem für den Nutzer real.

Anwendungsgebiete von AR und VR für das virtuelle Lernen

Während den Corona-bedingten Schulschließungen wären viele Eltern schon über funktionierende digitale Lernplattformen froh gewesen. Doch AR- und VR-Anwendungen bringen den digitalen Unterricht auf ein neues Level. In einem virtuellen Klassenzimmer sitzen digitale Avatare, die in Echtzeit Bewegungen, Mimik und Stimmen der Nutzer in den virtuellen Raum übertragen. Lehrpersonen und Schüler können miteinander interagieren, als ob sie im gleichen Raum wären – auch wenn sie kilometerweit voneinander entfernt sind.

Auch in pandemiefreien Zeiten mit Präsenzunterricht ermöglichen AR- und VR-Anwendungen völlig neue Lernformen. Anstatt einen Film über brennende Regenwälder zu schauen, kann die Klasse mit aufgesetzten VR-Brillen auf eine virtuelle Exkursion in den Amazonas gehen. Doch nicht nur in weitentfernte Regionen – auch Reisen ins alte Rom, zu den Dinosauriern oder ins Weltall werden möglich. Durch Augmented Reality kann die Materie zudem mitten ins Klassenzimmer geholt werden: Mithilfe einer AR-Brille oder direkt über den eigenen Smartphone-Bildschirm kann ein Vulkanausbruch simuliert oder ein Tiger in realer Größe beobachtet werden.

Solche neuen Lernformen sind auch an Universitäten möglich. In naturwissenschaftlichen Fächern wie Chemie oder Physik können gefährliche Experimente virtuell simuliert werden, ohne dass jemand gefährdet wird. Im Biologie- oder Medizinstudium können Aufbau und Funktionsweisen des menschlichen oder tierischen Körpers mittels 3D-Modellen von Organen und Knochen vermittelt werden. Studenten können diese drehen, von allen Seiten betrachten und vor allem mit ihnen interagieren und physiologische Prinzipien sowie Abläufe erkunden.

Insbesondere die praktische Ausbildung von zukünftigen Ärzten können VR- und AR-Anwendungen unterstützen. Anstatt ihre ersten praktischen Erfahrungen am Menschen zu machen, können Medizinstudenten Operationen und Behandlungen an virtuellen Modellen üben. Dabei können sie einerseits die einzelnen Schritte und Handgriffe erlernen und verinnerlichen. Anderseits werden mit entsprechender Technik die Kräfte simuliert, die beispielsweise während einer Hüftoperation auf den Arzt wirken.

Virtuelles Lernen ist aber nicht nur im klassischen Bildungsbereich möglich, sondern auch bei der Aus- und Weiterbildung von Mitarbeitern. Wie der Medizinstudent Operationen am virtuellen Patienten übt, kann der Mechaniker komplizierte Wartungsarbeiten an der virtuellen Maschine trainieren. Neue Mitarbeiter können so effizient eingearbeitet werden. Arbeiten an schwer zugänglicher Infrastruktur oder Tätigkeiten, für die eine großflächige Sperrung notwendig ist, können gezielt vorbereitet und geübt werden.

Mithilfe AR und VR werden nicht nur einzelne Tätigkeiten, sondern ganze Fähigkeiten geschult. Zukünftige LKW-Fahrer und Piloten werden bereits heute zu einem großen Teil in Simulatoren ausgebildet. Mit Augmented und Virtual Reality kann die Ausbildung noch realer gestaltet werden. Auch die Simulation von ganzen Abläufen und Situationen ist möglich. Polizisten, Feuerwehrmänner und andere Einsatzkräfte können beispielsweise Abläufe und Verhalten während Katastrophenfällen üben.

Ausblick

Hochauflösende Brillen, immer bessere haptische Technologie, exakte Bewegungsübertragung in den virtuellen Raum durch immer bessere Sensorik: Das virtuelle Erlebnis wird stetig realer und lebensnaher. Davon profitiert auch das virtuelle Lernen. Immer mehr Prozesse, Situationen und Arbeitsschritte können virtuell abgebildet werden. So wie wir heute Videokonferenzen und andere digitale Arbeitsformen als völlig normal betrachten, wird es auch bald mit dem virtuellen Lernen sein.

Drei Punkte, wie Ihr Unternehmen von virtuellem Lernen profitieren kann:

  1. Die Einarbeitung und Weiterbildung von Mitarbeitern werden durch virtuelles Lernen einfacher und effizienter.
  2. Durch virtuelles Lernen können trockene Schulungen interaktiver und lebendiger gestaltet werden.
  3. Durch virtuelles Lernen können materialintensive, teure oder schwer durchführbare Arbeiten trainiert werden.

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Dominic Hauser

Dominic Hauser ist Redakteur bei fintechcube. Davor war er in Bern als politischer Redakteur tätig und beschäftigte sich nach seinem Umzug nach Berlin mit der Digitalisierung des Public Sectors.