Hätten Sie’s gewusst? VR/AR im Alltag - Folge 1: Sales und Marketing

Next Big Think Nov. 02, 2020

Was glauben Sie: Wie viele Werbebotschaften werden heute an Sie übermittelt? Im Fernsehen, Radio, Ihrem Facebook- und Instagram-Feed, auf Business-Netzwerken wie LinkedIn oder Xing, auf Google, in Schaufenstern und Werbetafeln? Sie werden es kaum glauben! Wir werden täglich mit 10.000 bis 13.000 Werbebotschaften konfrontiert. Bereits ab 3.000 bis 5.000 Werbeinhalten beginnt der Mensch, diese auszublenden. Marketing-Manager müssen sich daher immer wieder darum bemühen, aufzufallen und ihre Inhalte für die Menschen sichtbar zu machen. Das kann gelingen durch besonders kreativ verpackte Inhalte oder durch die Verwendung neuer Technologien. Virtual Reality (VR) und Augmented Reality (AR) sind für viele Konsumenten völlig neu und bieten daher enormes Potenzial für Werbetreibende.

Virtual und Augmented Reality bleibt im Gedächtnis

Der Einsatz von VR und AR im Marketing wird auch als immersives Marketing bezeichnet, denn die Werbeinhalte werden für den Kunden erlebbar gemacht. Gleiches gilt für die Anwendung im Sales, konkret in der Produktpräsentation. Durch die Interaktion mit dem Produkt – ob durch dessen virtuelle Abbildung oder virtuelle Ergänzung - wird ein Mehrwert für den potenziellen Kunden geschaffen. Oft hat diese Präsentationsform auch einen gewissen Unterhaltungswert für den Konsumenten. Außerdem können emotionale Botschaften besser transportiert werden. Der Erlebnisfaktor und die Emotionalität können dazu beitragen, dass der Kunde sich besser an eine Botschaft oder ein Produkt erinnert, als es bei anderen Werbeformaten der Fall ist.

Virtual Reality in Marketing und Sales

Virtual Reality im Marketing und Sales ist noch nicht weit verbreitet. Als Werbemedium begegnet man der Technologie vor allem auf Messen. Hier kann der Anbieter ein Head-Mounted Display zur Verfügung stellen und eine virtuelle Produktpräsentation am Stand durchführen. In Zeiten von Corona zeigte sich auch der Trend, Messestände durch VR-Technologie virtuell zu erweitern. Beispielsweise wurde der Ansprechpartner virtuell hinzugeschaltet. Denkbar sind in Zukunft auch vollständig virtuelle Messen.

VR-Brillen begegnen uns auch in Showrooms. Besonders beliebt ist die Technologie bei Fahrzeugherstellern. Per VR-Brille können Sie eine virtuelle Spritztour mit dem neuen Sport-Modell einer Luxusautomarke machen. Für die technisch-affinen geht es noch einen Schritt weiter: Virtual Reality ermöglicht eine Reise durch das Fahrzeug – mit Details zu Motoren und Mechanik, Hintergrundinformationen zur Leistung und vielem mehr. Durch VR wird nicht nur die 360-Grad- und Innendarstellung von Produkten möglich, sondern auch das Erkunden ganzer Räume. Der Küchenhersteller Franke ermöglicht Kunden einen Rundgang in der zukünftigen Traumküche.

Im Bereich der Produktpräsentation und im Sales hat VR bereits Einzug gefunden. VR Marketing-Konzepte sind bisher wenig bis kaum verbreitet. Grund dafür ist die geringe Verfügbarkeit von VR-Brillen. Da nicht jeder mal eben die VR-Brille aus der Hosentasche holen kann, ist Außenwerbung mit VR-Unterstützung kaum realisierbar. Auch in den eigenen vier Wänden, am Rechner oder vor dem Fernseher sind VR-Geräte nur bei einem kleinen Teil der Bevölkerung vorhanden.

In der Produktpräsentation vor Ort für kleinere Gruppe hat die Technologie jedoch großes Potenzial, insbesondere im B2B- Bereich. Komplexe Maschinen, Sonderanfertigungen oder Zwischenpräsentationen von Produkten können im virtuellen Raum kostengünstiger dargestellt werden, als es mit physischen Prototypen möglich wäre.

Augmented Reality im Marketing

Im Sommer 2016 hatte das Spiel Pokémon Go seinen großen Durchbruch. Der Spieler nimmt in der echten Welt die Verfolgung auf und fängt die animierten Tierchen auf seinem Smartphone-Bildschirm. Damals konnte man große Gruppen, Jung und Alt, von einem öffentlichen Platz zum nächsten ziehen sehen. Stadtbilder auf der ganzen Welt waren über Monate durch das AR-Spiel geprägt. Dieser Effekt ist auch an Marketing-Profis nicht vorbeigezogen.

Das AR-Marketing hat den großen Vorteil, dass zur Anwendung nicht zwangsläufig ein Head-Mounted Display benötigt wird. Die Einblendung der virtuellen Elemente kann auch per Smartphone oder Tablet erfolgen (Mobile AR). Daher lassen sich Marketing-Kampagnen räumlich flexibel realisieren und mit anderen Marketing-Instrumenten wie Social Media verknüpfen.

Beispiele für AR-Marketing-Kampagnen

Unternehmen haben sich das Beispiel Pokemon als Vorbild genommen und sich den Trend zu Nutze gemacht. Die Biermarke Becks hat im Rahmen ihres Projekts “Green Box” grüne Boxen vor Sehenswürdigkeiten großer Städte verteilt. Diese wurden mit AR-Markern versehen.

AR-Marker sind Markierungen, oft in Form von QR-Codes, die an zwei- oder dreidimensionalen Objekten angebracht werden. Die virtuellen Elemente werden am markierten Gegenstand ausgerichtet. Es gibt allerdings auch Augmented Reality Marker, die sich lediglich an der Oberfläche eines Objektes orientieren.

Wird der AR-Marker an der Becks-Box vom Smartphone oder Tablet erfasst, wurden dem Nutzer virtuelle Kunst-Installationen angezeigt, die auf die jeweiligen Sehenswürdigkeiten zugeschnitten waren. Diese wurden von zuvor Künstlern eigenreicht. Die besten Werke wurden in der Kampagne verwendet. Eine tolle Möglichkeit neue Städte zu erkunden oder die eigene Heimat neu zu entdecken. Dieses Erlebnis stärkt die Bindung zur Marke. Möchte man auf dem Weg von einer Sehenswürdigkeit zur nächsten ein Wegbier trinken, entscheidet man sich vielleicht diesmal für ein Becks.

AR-Marker können auch direkt am Produkt angebracht werden. Scannt man beispielsweise den Joghurt-Becher der polnischen Marke Bakoma, kann man mit dem Maskottchen der Firma interagieren. Ein ähnliches Konzept besteht für Printwerbung. Um zusätzliche Informationen unterzubringen, können Flyer, Broschüren und Visitenkarten einfach mit einer AR-Markierung versehen werden. Der Modekatalog wird viel lebendiger mit ergänzenden Tragevideos oder Informationen zur Herkunft der verwendeten Materialien.

Auch in der Außenwerbung kommt immer häufiger Augmented Reality zum Einsatz. Dafür werden entweder Plakate mit AR-Markern versehen oder elektronische Werbetafeln mit AR-Inhalten angereichert. Im Berliner Einkaufszentrum Alexa wurde von Tempo der “Magic Mirror” aufgestellt. Virtuell wurden verschiedene Motive eingeblendet, zum Beispiel ein Buckelwal, der in Richtung des Passanten springt. Unten rechts eingeblendet: das Tempo-Logo. Hier ist der Unterhaltungswert wichtiger als der tatsächliche Informationswert. Die Werbeaktion an sich fällt auf, bringt Spaß und hat positiven Einfluss auf die Markenwahrnehmung. Die Werbung erfolgt unterschwellig und wird daher nicht als störend wahrgenommen. Zeitgleich beschäftigt sich der Konsument aktiv mit dem Werbeprodukt. Besonders für bereits bekannte Marken mit wenig erklärungsbedürftigen Produkten ist dies eine kreative Lösung, um auf Werbeverdrossenheit zu reagieren.

Augmented Reality im Sales

Augmented Reality gewinnt vor allem im eCommerce mehr und mehr an Bedeutung. Die Technologie räumt den Online-Shops neue Darstellungsmöglichkeiten für Ihre Produkte ein.

Von diesen machen Möbelhäuser wie IKEA oder OTTO Gebrauch. Mit der Applikation “yourhome” kann das begehrte Möbelstück in den eigenen vier Wänden betrachtet werden. Auch das schwedische Einrichtungshaus hat mit der IKEA Place AR-App eine Anwendung entwickelt, um die richtige Position, Farbe und Größe für Kallax, Billy & Co zu finden.

Augmented Reality ermöglicht außerdem einen großen Nachteil des Online-Shoppings minimieren. Bisher war es nicht möglich, Kleidung und Accessoires online anzuprobieren. Anwendungen wie die von Brillenhändler Mister Spex ermöglichen sich einen besseren visuellen Eindruck vom Produkt zu verschaffen. Dafür filmt der Nutzer mit der Webcam des eigenen Laptops oder der Frontkamera des Smartphones das eigene Gesicht und kann verschiedene Brillengestelle anprobieren. So kann der Kunde bequem und schnell eine Vielzahl an Modellen sichten. Für den Online-Shop bedeutet das weniger Rücksendungen, da die Brille nicht erst zuhause ausgesucht wird.

Aber auch in lokalen Geschäften kommt Augmented Reality zum Einsatz. Anstelle der üblichen Schaufensterpuppe wird in den Schaufenstern von Timberland mithilfe elektronischer Displays und Kameras das eigene Gesicht auf die neue Kollektion projiziert, um potenzielle Kunden in den Laden zu locken.

Ausblick

Zukünftig wird es immer kreativere Werbekonzepte geben, die nach unserer Aufmerksamkeit haschen. Unterhaltsame Formate mit unterschwelligen Werbebotschaften werden für Marketing-Spezialisten attraktiver. Aber auch für Konsumenten kann der Einsatz von AR und VR persönlichen Nutzen haben. Die Technologie ermöglicht das Anprobieren im Online-Shop oder die Projektion von Gegenständen in die eigenen vier Wände. Die zusätzliche mediale Komponente hilft bei der Entscheidung und stützt damit auch eine Veränderung, die sich im sozialen Kaufverhalten beobachten lässt: Kunden ziehen immer mehr Informationen heran, bevor Sie sich für ein Produkt entscheiden.  
So können Fehlkäufe und Rücksendungen vermieden werden, was weniger Transporte und Verpackungskosten zur Folge hat - ein gesamtgesellschaftlicher, nachhaltiger Effekt.

Vorerst ist jedoch vor allem Augmented Reality bedeutsam, da sie mit Mobilgeräten abgebildet werden kann. Die VR-Brille als Voraussetzung wird bis auf Weiteres als Hürde bestehen.

Was Sie über VR/AR im Marketing und Sales wissen sollten:

  1. VR/AR können wirksame Instrumente sein, um die Werbeverdrossenheit von Konsumenten zu umgehen.
  2. Aufgrund der mangelnden Verfügbarkeit von VR-Brillen ist der Einsatz von Virtual Reality im Marketing noch nicht weit verbreitet.
  3. Es gibt zahlreiche AR-Marketing-Konzepte: Living Products, Living Prints, Attention Display, AR-Games
  4. Augmented Reality ermöglicht eine bessere visuelle Produktpräsentation in Online-Shops.

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Sarah Kolberg

Sarah Kolberg ist Redakteurin bei fintechcube und hat sich in ihrer bisherigen Laufbahn vor allem mit der digitalen Transformation im Public Sector beschäftigt.